Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.06.06, 5.56 Uhr, Pfarrerin Renate Tomalik

Fußball und Kirche - Wie im richtigen Leben

Jetzt ist Halbzeit. Seit gut 2 Wochen ist die Welt zu Gast bei Freunden. Der Fußball hat die meisten von uns fest im Griff.

Fans aus aller Welt strömen in die großen deutschen Fußballstadien. Kein Supermarkt, keine Fernsehwerbung, keine Zeitung kommt an der Fußball WM vorbei. Und auch die evangelische Kirche nicht.

O-Ton (Prof. A. Merkt): Andererseits ist Fußball ja etwas, was breite Massen der Bevölkerung fasziniert, bewegt und da kann natürlich die Kirche, können die Kirchen nicht vorbeischauen. Also alles was Menschen angeht, was Menschen wichtig ist, ist automatisch auch ein Thema für die Kirche, das ist klar.
 
Sprecherin: Andreas Merkt ist Professor für historische Theologie an der Universität Regensburg und hat sich mit dem Thema Fußball und Kirche intensiv beschäftigt. Sein Beitrag zur Diskussion ist sein Buch „Fußballgott –11 Einwürfe“. Viele evangelische Gemeinden bieten  in diesen Wochen Übertragungen der Fußballspiele auf Großleinwänden an. Sie laden ein zum Kickerturnier, Talkrunden oder gemeinsamen Gucken der Spiele mit einem evangelischen Rahmenprogramm: Diskussionen, Interviews, Gottesdienste und Gespräche zum Thema Glauben und Fußball.

O-Ton (Prof. A. Merkt ) Es gibt auch gemeinsame Interessen, die Fußball und Religion eben verfolgen. Dieses Völker verbindende, Menschen verbindende, Gemeinschaft stiftende- das ist auch eine Grundfunktionen der Religion und daran kann Religion, können die Kirchen anknüpfen.

Sprecherin: Fußball und Religion haben einiges gemeinsam. Das hat die Kirche lange nicht erkannt. Fußball weckt große Gefühle wie der Glaube, hier dürfen sie gezeigt werden. Es gibt Rituale, die an christliche Gottesdienste erinnern: feierlicher Einzug der beiden Mannschaften, Hymnen und Gesänge, deren Texte manchmal an Kirchenlieder erinnern. Das Strömen der Fans in die Stadien zu ihrer Mannschaft erinnert zuweilen an eine Pilgerfahrt. Der Rasen auf dem 22 Männer um den Ball kämpfen, ist wie ein Heiligtum, den nur wenige Auserwählte betreten dürfen. Manche Spieler bekreuzigen sich. Andere fallen auf die Knie. Und wenn die erste Halbzeit vorbei ist, erhebt sich die Fangemeinde und strömt zum Bier-und Bratwurststand.

Es erinnert an den Gang zum Abendmahl. Einen wesentlichen Unterschied gibt es aber doch zwischen Fußball und Religion. Eine religiöse Überzeugung trägt den Menschen durch alle Höhen und Tiefen seines Lebens hindurch. Das kann die Fußballbegeisterung nicht. So sieht es auch der evangelische Theologieprofessor Manfred Josuttis- ein begeisterter Fußballfan: Die Kirche, sagt Josuttis könne viel vom Fußball lernen, weil es auf dem Sportplatz meist spannender sei als in der Kirche. Denn in der Kirche wird im Grunde immer nur das eine gesagt: Du hast gewonnen, Gott hat alles für dich getan, es kann dir trotz allem gar nichts passieren." Das klingt für Josuttis manchmal sehr langweilig. Allerdings weiß er auch, dass es selbst dem größten Fußballfan nicht helfen würde, wenn die deutsche Mannschaft Weltmeister werden würde. Es gibt eben Situationen im Leben, da braucht man mehr als einen Sieg. Da braucht man eben doch die Gewissheit, dass man letztlich nicht verlieren kann, weil man Gott auf seiner Seite hat.

Audiobeitrag Fußball und Kirche - Wie im richtigen Leben


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