Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.06.06, 5.56 Uhr, Pfarrerin Renate Tomalik

Zwangsprostitution - Rote Karte

Sie heißen Jelena, Roxana, Olga oder Jamina . Mit Ihnen sind weitere 10 000de Frauen eigens zur Fußball WM nach Deutschland eingereist.

Denn nicht nur das Hotel- und Gaststättengewerbe hat sich auf eine erhöhte Nachfrage eingestellt. Fußballprominente, Journalisten und Fans aus dem In- und Ausland sind in Feierlaune.

Die WM ist das sportliche Großereignis 2006. Sie bringt Spiel, Spaß, Spannung. Auch das Geschäft mit käuflichem Sex  hat sich auf eine erhöhte Nachfrage während der Fußballweltmeisterschaft eingerichtet. Vor allem in den osteuropäischen Nachbarländern werden über Zeitungsinserate und persönliche Kontakte Frauen gesucht.

Mit falschen Versprechungen werden sie in ihren Heimatländern angeworben. Man verspricht ihnen einen guten Beruf, ausreichend Einkommen, ein angenehmes Leben. Wirtschaftliche Armut in den Heimatländern und die Sorge um die Kinder und Familie führen dazu, dass Frauen sich kurzfristig auf scheinbar gute Arbeitsangebote auch in der Prostitution einlassen.

Nur wenige Prostituierte  arbeiten selbstständig ohne Zuhälter und Bordellbetreiber. Mit Erpressung und Gewalt werden sie gefügig gemacht und abkassiert. Ihre Träume zerplatzen wie Seifenblasen.

Menschenhandel und Zwangsprostitution sind eine Schattenseite der Fußballweltmeisterschaft.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, hat zum Handeln gegen Zwangsprostitution bei der Fußball-Weltmeisterschaft aufgefordert. "Das Mögliche muss getan werden, um derartige Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden, Täter zu bestrafen und Opfer zu schützen", erklärte der Bischof. Auch Freier, die diese Notlage der eingeschleusten Frauen ausnutzten, müssten sich ihrer Verantwortung bewusst werden.

Während sich Städte und Gemeinden und auch der deutsche Fußballbund schwer tun, aktiv zu werden gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution versucht der Verein SOLWODI, Solidarität mit Frauen in Not, öffentlich auf dieses Unrecht aufmerksam zu machen und betroffenen Frauen zu helfen. 

SOLWODI hat eine kostenlose telefonische Hotline eingerichtet. 24 Stunden rund um die Uhr bis zum 31. Juli ist das Telefon besetzt mit Beraterinnen aus sechs verschiedenen Ländern. Hier finden die betroffenen Frauen ein offenes Ohr, Rat und Hilfe. Damit stehen die Ordensschwestern des Vereins Solwodi in gut biblischer Tradition. Denn das Eintreten für Menschen, die sich selbst nicht helfen können und der Einsatz für die, die Hilfe brauchen, gehören zum christlichen Leben. So heißt es in der Bibel:

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“(Sprüche 31,8)

Audiobeitrag Zwangsprostitution - Rote Karte


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