Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.06.06, 06-07 Uhr, Julia Neuschwander

Das Judasevangelium - warum verrät einer seinen Freund?

Es war eine kleine Sensation: das wieder aufgetauchte Judasevangelium. Das ist ein 13 Seiten, die in der heutigen Bibel nicht vorkommen.

Benannt sind sie nach einem Freund von Jesus: Judas. Besser bekannt als: Judas, der Verräter. Judas liefert Jesus an seine Gegnern aus. Warum verrät einer seinen Freund und plant hinter seinem Rücken sogar dessen Tod?  Das ist spannend bis heute. Warum? Eine Erklärung dafür liefert das Judasevangelium.

Im Bericht des TV-Senders National Geographics klang alles wie eine große Verschwörung: Judas wird im diesem geheimnisvollen Buch nicht als Verräter Jesu gebrandmarkt, sondern gilt als dessen bester Freund und Vertrauter. Denn warum er Jesus verraten habe, erklärt das Judasevangelium mit den Vorstellungen seiner Zeit: dass der Körper nur das Gefängnis sei für den Geist, den göttlichen Funken, der sich nach der Verschmelzung mit dem Göttlichen sehnt. Und dass Judas, als er Jesus an die Gegner ausliefert, ihm eigentlich nur zu seiner eigentlichen Bestimmung verholfen habe.  Er wollte ihn zu seinem Glück zwingen.

Nach dem Judasevangelium ist Judas ein Held. Das bringt einen neuen Ton in die alte Diskussion.  Und zeigt, das es sich manchmal lohnt, über manche Fragen noch ein zweites Mal nachzudenken.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Das Judasevangelium - warum verrät einer seinen Freund?


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