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Der schnaubende Stier
Als ich ungefähr 12 Jahre war, bin ich mit meinem Vater mal zum Fußball gefahren. Samstagsnachmittags. Es war richtig heiß. Wir saßen in der U-Bahn. Und es war so voll.
Überall standen die Leute und ich saß bei meinem Vater auf dem Schoß. Die Luft wurde immer schlechter. Und die Fenster waren auch nicht auf. Und irgendwann rieche ich so den Qualm von iner Zigarette. Und gucke mich um. Und dann steht da so ein dicker, großer Berg von Mann. Hochroter Kopf. Und rauchte sich da eine Kippe. Mein Vater sagte dann: Entschuldigung, junger Mann, könnten Sie vielleicht die Zigarette ausmachen?
Wie von einer Tarantel gestochen, dreht sich der Dicke um und brüllt: Wer hat das gesagt? Und ich denke: Wenn der Dicke jetzt meinen Vater sieht, dann kriegt mein Vater einen drauf. Alle Leute sind still und ich halte auch den Atem. Und plötzlich sagt mein Vater mit fester Stimme: Ich habe das gesagt. Und ich denke: Oh nein. Jetzt gehts los.
Der Dicke kommt näher und sagt: Willst du eins auf die Fresse? Aber mein Vater guckt ihn ganz ruhig an und sagt: Nein, junger Mann. Ich möchte keins auf die Fresse. Ich habe sie nur gebeten, die Zigarette auszumachen.
Mein Vater lächelt ihn dann einfach. Der Dicke verzerrt so einen Moment das Gesicht. Dann plötzlich dreht er sich um, macht die Zigarette aus und geht zu seinen Kumpel. Ich war fix und fertig in dem Moment. Aber bis heute bin ich stolz auf meinen Vater. Wie er so einfach, ganz locker leicht einem aggressiven Typen den Wind aus den Segeln genommen hat.
Sprecher: Gernot Hoersch
Der schnaubende Stier
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