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Pfingsterzählung
Vielleicht ist es ein Sonntagmorgen, so um viertel vor acht gewesen. Seit 50 Tagen hockten die Freunde zusammen.
Hatten sich nicht mehr raus getraut, aus Angst vor den anderen, den Fremden. Sie fürchteten um ihr Leben.
Schon drei Tage nach der Kreuzigung waren Frauen mit der erschreckenden Nachricht gekommen: Das Grab ist leer. Hatte jemand den Leichnam gestohlen? Das wurde rumerzählt, weil man es sich nicht anders vorstellen konnte. Schnell verbreitete sich das Gerücht, sie, die Jünger, hätten ihn weggeholt, um von einer wunderbaren Auferstehung ihres Herrn berichten zu können. Nur sie selbst wussten, dass das nicht stimmte. Doch fragten sie sich, was dieses leere Grab bedeuten könnte.
Einmal kamen die Frauen sogar atemlos wieder und sagten, sie hätten Jesus gesehen. Er habe mit ihnen gesprochen. Unglaublich! Mit einem Toten kann man doch nicht sprechen. Waren die jetzt verrückt gworden?
Und wenn es doch stimmte? Sie erinnerten sich an die Worte Jesu,: Der Menschensohn muss viel leiden
und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. (Mk 8,31). Ja hatte er sich selbst gemeint und nicht den Messias, der noch kommen würde?
Aber das konnten sie unmöglich weitererzählen. Die Leute würden sie bestenfalls auslachen. Oder sie würden sie als ängstliche Mitläufer beschimpfen und aus der Stadt jagen. Oder sie auch als religiöse Betrüger vor Gericht bringen und ans Kreuz nageln. So hatten sie sich eingerichtet in ihrer Schutzburg der Angst.
Und vielleicht ist es dieser Pfingstsonntagmorgen um viertel vor acht gewesen als sie sich plötzlich sicher waren: Jetzt gehen wir raus und erzählen, was wir glauben. Mehr noch: Jetzt müssen wir raus. Alle sollen es hören: Jesus lebt und wir werden auch leben! Wir haben keine Angst mehr vor eurem Gelächter. Ob ihr es glaubt oder nicht: Wir haben keine Angst mehr vor dem Tod, weil Jesus wahrhaftig auferstanden ist!
Was es war, dass sie auf einmal Feuer und Flamme waren, konnten sie sich selbst nicht erklären. Nur sie merkten, dass da ein Feuer der Leidenschaft in ihnen entfacht war, daß sie vor Begeisterung für das Leben nur so sprühten. Sie durften sich nicht länger verstecken. Sie mussten raus und erzählen, was sie glaubten.
Wie durch ein Wunder war ihre Angst vor den Menschen verschwunden. Begeistert erzählten sie vom Wunder des Lebens. Plötzlich verstanden sie einander und hetzten nicht mehr blind und taub aneinander vorbei. Fremde sahen sich wie Freunde an. Und sie hatten Zeit. Freuten sich über jede Begegnung.
Der Funke der Begeisterung für das Leben war übergesprungen. An diesem ersten Pfingstsonntag ließen sich 3000 Menschen von den Jüngern Jesu taufen. Die christliche Kirche war geboren.
Auch ich will mich von ihnen anstecken lassen und öffentlich von meinem Glauben an Gott reden. Vom Wunder des Lebens. Von der Freude, Fremden wie Freunden zu begegnen. Nicht nur heute. An diesem Pfingstsonntag.
Pfingsterzählung
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