Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.06.06, 6.56 Uhr, Pfarrerin Viktoria Keil

Tafel-Augenblicke

Es gibt Augenblicke, liebe Hörerin, lieber Hörer, da reißt uns der Heilige Geist aus allem heraus: Eine Frau aus unserer Gemeinde stand vor einem riesigen Mülleimer voller

Lebensmittel und verstand die Welt nicht mehr: „Warum werden diese Lebensmittel weggeworfen.“, herrschte sie den Leiter der Lebensmittel-Filiale an,  „Ich kenne Leute, die können sich dieses Essen hier nicht leisten?  Und sie werfen das einfach weg? Gibt’s das?“ „Wir müssen jedes Stück Fleisch, das nicht mehr verkauft wird, als Sondermüll entsorgen,“ gab der Filialleiter genervt zurück. „Was glauben Sie, wie teuer das ist?“  „Bringen sie es doch den Leuten, die es brauchen können.“

Und Zack hatten wir viel Arbeit:
Inzwischen sorgen 17 Frauen und 9 Männer einmal in der Woche dafür, dass die Lebensmittel ihre Abnehmer finden. In 6 großen Kühltruhen werden die Lebensmittel eingefroren, wenn sie nicht mehr verkauft werden können, damit sie nicht verderben. Die Ausgabestelle der Tafel in der Kirchengemeinde versorgt mehr als 50 Familien mit Kleinsteinkommen.

Dass Lebensmittel weggeworfen wurden, war doch bei uns normal geworden. Wir brauchen Menschen, die plötzlich diese Welt nicht mehr verstehen. Menschen, die verzweifeln an dem Bestehenden, Menschen, die sich nicht abfinden mit Zuständen, an die wir uns vielleicht schon gewöhnt haben.

Der Heilige Geist macht unruhig, stellt das Normale in Frage und bringt unbequeme Ideen. Zu Pfingsten feiern wir diesen Heiligen Geist, der uns lebendig macht. Wir feiern nicht unsere eigene Pfiffigkeit, sondern Gottes Kraft, die sich in kleinen Flammen zeigt und plötzlich wird ein wärmendes Feuer daraus.

Es wird erzählt:
Ein mächtiges Rauschen erfüllte den Raum,
Feuer zerteilte sich und ließ sich auf den Köpfen der Freunde Jesu nieder.
Aus sprachlosen Menschen wurden begeisterte Prediger.
So erzählt die Bibel vom Pfingstwunder, das wir 50 Tage nach Ostern feiern.
Nach der Trauer über Jesu Tod und der Freude über Jesu Auferstehung,
wussten sie nicht, wie es mit ihnen selbst weitergehen sollte.
An diesem Tag aber wurden sie von Gottes Geist erfüllt,
der ihnen Kraft und Mut für neue Lebensziele gab.
Über diesen Geist kann man nur in Bildern sprechen.
Eines ist das Feuer, es entzündet und setzt Energie frei, Menschen werden ‚Feuer und Flamme’.

Zu Pfingsten ist aus einer kleiner Flamme eine Bewegung geworden, die Menschen erfasst hat.

Ganz unerwartet überfällt der Heilige Geist Menschen, die z.B. in eine Mülltonne sehen.  Vom ersten Blick in die Mülltonne bis zur Versorgung von vielen Familien war ein weiter Weg. Und es bleibt eine mühsame Arbeit die Lebensmittel zusammen zutragen und gerecht zu verteilen.

Gottes Geist können wir nicht beweisen. Aber wir können uns auf die Spurensuche begeben. Wir werden ihn überall da finden, wo Menschen genau hinsehen und genau hinhören. Und dann wird etwas geschehen: Menschen wird geholfen werden.

 

 

Audiobeitrag Tafel-Augenblicke


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