Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.06.06, 6.56 Uhr, Pfarrerin Viktoria Keil

Sakrileg

Es gibt Augenblicke, liebe Hörerin, lieber Hörer, da reißt der Heilige Geist aus allem heraus: Geheimnisse werden offenbar.

Die Freunde Jesu – damals in Jerusalem - erleben, wie der Heilige Geist sie bewegt. Bis dahin war es ihr Geheimnis, das Jesus Christus gestorben und auferstanden war. Seit dem Pfingsterlebnis gehen die Jünger aus sich heraus und erzählen weiter, was bis dahin verborgen vor der Welt von Jesus ausgegangen war.

Zu Pfingsten wurde die Kirche geboren, aber nicht als Geheimbund, der nur Menschen aufnimmt, die das Geheimnis kennen, aber nicht weitersagen. Und sogar vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken, wenn es um die Bewahrung dieses Geheimnisses geht.

Zu Pfingsten vor fast 2000 Jahren wird das Geheimnis offenbart: die Jünger sprechen es aus vor aller Welt: wie Jesus die Menschen geheilt hat, wie seine Liebe die Menschen veränderte. Die Freunde Jesu erkennen:  Gott selbst ist Mensch geworden, um diese Welt zu heilen. Und daraus machen sie kein Geheimnis.

Die Eingeweihten des göttlichen Geheimnisses sind einfache Leute. Keine genialen Entschlüsselungsexperten mit besonderen Kenntnissen, sondern Frauen und Männer mit gesundem Menschenverstand.

Verschwörungstheorien sind natürlich viel interessanter wie wir an der Begeisterung für die Verfilmung des Romans „Sakrileg“ von Dan Brown erkennen können: Der  Da-Vinci-Code.

Dan Brown fasziniert uns mit seiner Romanidee:
Die Kirche als finsterer Ort, ein Sammelbecken von Vertuschern, Geheimnistuern und Verschwörern. Man muss die allerheiligsten Geheimnisse diesen Wächtern entreißen,
um sie an die Öffentlichkeit zu bringen und das ist mit allerlei Gefahren und Abenteuern verbunden.

Die Freunde Jesu damals - nach dem ersten Pfingstfest machen es genau umgekehrt. Sie erzählen: Jesus selbst hat das Allerheiligste Geheimnis allen, die es wissen wollen, zugänglich gemacht.  Heiliger Gott und sündiger Mensch können einander begegnen. Jesus hat seinen Vater und uns, seine Schwestern und Brüder wieder zusammen gebracht. Da ist kein Platz für Klatsch und Tratsch hinter vorgehaltener Hand. Die immer wieder beliebte Frage Wer mit wem, warum und wo verblasst hinter diesem Geheimnisverrat der Jünger Jesu: Gott hat sich mit den Menschen versöhnt. Das allein zählt.

Zu Pfingsten wird deutlich:
Das Passwort ins Allerheiligste oder den Zahlencode zum Geheimnis bekommt jedes Baby, das getauft wird, einfach geschenkt! Martin Luther hat es so beschrieben: Was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zu Priester, Bischof und Papst geweiht sei. Hier in der Taufe begründet sich das Priestertum aller Gläubigen. Eltern und Paten übernehmen dabei die Aufgabe dieses offene Geheimnis ihren Kindern im Alltag weiterzugeben. Pech für alle Verschwörungstheoretiker: Nichts liegt so offenbar am Tage wie die vermeintlichen Geheimnisse der Kirche.

Audiobeitrag Sakrileg


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