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Der Heilige Geist ist keine Zimmerlinde
Es gibt Augenblicke, liebe Hörerin, lieber Hörer, da reißt uns der Heilige Geist aus allem heraus: Der Mann, mit dem ich ins Gespräch kam, erzählte:Nach 35 Jahren
Funkstille zwischen mir und meiner Mutter, habe ich sie angerufen: Mutter, hast du Zeit zum Reden? Wir haben miteinander gesprochen und ich konnte ihr sagen, wie wichtig sie für mich ist. Seitdem fühle ich mich wie erlöst, der alte Streit ist damit nicht weggewischt, aber ich kann an unser Gespräch denken. Einige Monate später kam der Anruf, dass die Mutter unerwartet gestorben ist. Der Mann spricht aus, was ihm durch den Kopf geht: Gott sei Dank, dass der Mut über mich kam, mit meiner Mutter zu sprechen. Durch das Gespräch war sein Leben in Bewegung geraten. Ich erkenne darin die Wirksamkeit des heiligen Geistes: Menschen lassen sich herausreißen aus der Alltagsroutine, aus den festgefahrenen Konflikten, um neue Möglichkeiten auszuprobieren.
Der Heilige Geist ist dabei keine künstlich harmonisierende Kraft, die Konflikte unter den Teppich kehrt: Sein Ziel dabei: Keine Versöhnung ohne Auseinandersetzung. sondern Versöhnung nach der Auseinandersetzung. Er fordert uns auf, über unsere Grenzen hinaus zu gehen. (Und er kommt über Menschen, wie der Mann es ausdrückte: der Mut kam über mich) Er weht, wo er will, kann niemals als Besitz von Menschen betrachtet werden. Es ist vielmehr so: Wo Menschen sich im alleinigen Besitz des Heiligen Geistes fühlen, werden die Konflikte besonders tief greifend: Je gewisser Menschen sich im Besitz des Heiligen Geistes fühlen, desto schwerer wird die Verständigung. Die Gewissheit des Heiligen Geistes wird zur schädlichen Selbstgewissheit, die Sprengstoff für Spaltungen enthält. Der Wind der Veränderung durch den Heiligen Geist bringt uns weiter im Leben. Er stellt Gewohnheiten in Frage.
Der Dichter Kurt Marti beschreibt es so: Der Heilige Geist ist keine Zimmerlinde, vielmehr vergleicht die Schrift ihn mit dem Winde. Die Jünger erleben eine innere Bewegung. Die bringt sie dazu, darüber zu sprechen, was ihr Leben ausmacht: Sie geben ihre Erfahrung weiter, die Jesus ihnen vermittelt hat: Gott schenkt uns seinen Heiligen Geist. Dieser Teil der göttlichen Person lebt mit uns, damit wir die Auferstehung Jesu verstehen.Der Tod liegt hinter uns wie die Sprachlosigkeit der Trauer. Das Leben gestaltet sich neu. Das Wichtige leuchtet hervor. Es zeigt sich: gleich neben unserem scheinbar selbstverständlichen Alltag liegen Chancen für ein erfülltes Leben, die wir oft gar nicht wahrnehmen. Ein Fest wie das Pfingstfest kann sichtbar machen, was wir vergessen hatten: das große Versprechen Gottes an uns, unser Leben mit Sinn zu erfüllen, die Hoffnung, die uns trägt, die Liebe, für die wir leben. Was wir so bitter nötig haben, gerät uns im Alltag nur allzu leicht aus dem Blick. Der Pfingstwind der Veränderung fegt Verstaubtes und Überflüssiges weg und macht alles neu.
Der Heilige Geist hilft, Sprache wieder zu finden, wo sie lange erstorben schien. So können Beziehungen heilen und Chancen wahrgenommen werden. Der Heilige Geist gibt uns den Mut dazu.
Der Heilige Geist ist keine Zimmerlinde
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