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Kirschbaum-Augenblicke
Es gibt Augenblicke, liebe Hörerin, lieber Hörer, da reißt uns der Heilige Geist aus allem heraus: Der Mann, dem ich zum 80.Geburtstag gratulieren wollte, stand in seinem
Garten unter einem blühenden Kirschbaum und schaut nach oben: Sehen Sie sich das einmal an! , sagt er: Der warme Wind öffnet immer mehr Blüten. Gestern war es noch so kalt und heute scheint der blaue Himmel durch die Kirschblütenzweige. Das ist die Sixtinische Kapelle von Barntrup. Da kann ich alter Mann doch nur sagen: Danke Gott, dass du diese Welt gemacht hast - voller Überraschungen und Schönheit. Sie wissen ja, dass ich auch viel Schweres erlebt habe. Aber ich glaube, so hat Gott die Welt eigentlich gemeint. So schön, so blühend. Das ist für mich ein Zeichen: das Leben wird niemals enden auch nicht mit dem Tod.
Ein beeindruckendes Zeugnis: Hier glaubt jemand angesichts blühender Kirschzweige an das ewige Leben.
Die biblische Pfingstgeschichte erzählt vom belebenden Hauch des Lebens, der uns kraftvoll wie ein Sturm in Bewegung bringt. Das Erzählen von Jesus Christus kommt bei unterschiedlichen Menschen an. Sie werden begeistert, werden eine Gemeinschaft und gehen auf andere zu. Christen führen diese erstaunliche Wirkung auf die schöpferische Kraft des Heiligen Geistes zurück. Gottes Geist, hebräisch ruach, kann übersetzt werden mit Wind oder Geist. Der Geist Gottes kann lebendig machen, verständlich machen, begreifbar werden.
Der Hauch des warmen Frühlingswindes öffnet die Kirschblüten. Der Hauch des Lebens unsere Augen, unseren Verstand und unser Herz. Manchmal spricht er aus Menschen, die uns begegnen und aus unserem Alltag heraus reißen.
Das Wesentliche steht für einen Augenblick wieder im Mittelpunkt. Der Geist Gottes berührt unser Leben und macht uns lebendig. In der Sixtinischen Kapelle stellt Michelangelo die Schöpfung des Menschen dar: Gott berührt Adam mit dem Finger und das Leben beginnt.
Es ist also kein kosmischer Weltgeist oder esoterischer Zeitgeist, der uns belebt, sondern Gottes Geist, der mich durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens versichert und ihm forthin zu leben von Herzen willig und bereit macht. So sagt es die Antwort des Heidelberger Katechismus auf die erste Frage: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
Immer, wenn ich blühende Kirschzweige sehe, denke ich an den alten Herrn und seinen Glauben an die Auferstehung. Er ist inzwischen verstorben: Auf seiner Todesanzeige standen die Worte Michelangelos: Ich bin nicht tot, ich tausche nur die Räume, ich leb in euch und geh durch eure Träume.
Kirschbaum-Augenblicke
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