Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.06.06, 7.50 Uhr, Frank Küchler

Der Geist des Herrn erfüllt das All

Sprecherin: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer; und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.

Der Geist des Herrn erfüllt das All mit Sturm und Feuersgluten. Er krönt mit Jubel Berg und Tal, er lässt die Wasser fluten. Ganz überströmt von Glanz und Licht erhebt die Schöpfung ihr Gesicht, frohlockend: Hallelujah!

Gott ist um uns. Sein Heiliger Geist ist das Element, in dem wir leben. Ganz selbstverständlich umgibt er uns mit seinem Geist. Wie die Luft, die wir einatmen. Ohne die wir nicht sein können.

Oft höre ich die Frage: wo ist Gott? Ich antworte dann: Gott ist längst in der Welt. Von Anbeginn der Schöpfung in seiner Schöpfung. Als Geist, der die Menschen erfüllt, der die Menschen umgibt und sie lebendig macht. Es braucht besondere Momente, Tage an denen wir uns dessen vergewissern. Pfingsten- zum Beispiel. Das Fest des Heiligen Geistes. 

Es ist wie mit dem Atem. Wer weiß schon, dass er atmet?  Wir tun es einfach. Darum braucht es besondere Momente, in denen  wir es bewusst tun. Damit wir spüren, dass es so ist. So brauchen wir auch besondere Momente, in denen wir uns der Gegenwart des Geistes vergewissern. Vielleicht ist es ein Sonnenuntergang am Meer, den wir miterleben, wenn der Wind uns zärtlich durch’s Haar fährt. Vielleicht ist es auch der Blick von einem Berg, den wir bestiegen haben, hinunter in’s Tal, in dem wir vor ein paar Stunden selbst noch waren.  Vielleicht ist es auch ein Spaziergang im Wald.

Immer kann es sein, dass Gottes Heiliger Geist uns so nahe kommt und wir innerlich gewiss werden, dass er da ist und uns umgibt. Momente des Glücks und der Gegenwart Gottes, die uns geschenkt werden. Damit wir Gewißheit spüren. Wenigstens einen Moment lang.

Sprecherin: Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Hallelujah! Lobt Gott. Sein Geist ist unser Element. Er macht uns lebendig. Er begeistert uns.  Er hat uns allen den Odem des Lebens eingehaucht. Ja, es gibt eine Sprache jenseits aller Sprachen. Es gibt eine Sprache, die sich nicht an der Unterschiedlichkeit von Sprachen stört. Eine Sprache jenseits aller Gegensätze und jenseits von kulturellen Unterschieden. Jenseits aller Religionen. Es ist die Sprache der Liebe. Der Geist verbindet die Menschen untereinander, indem er den Menschen die Liebe ins Herz gibt. So erfüllt sich das Versprechen Gottes, das er den Menschen durch den Propheten Hesekiel gegeben hat: „ Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen.“ Darin erweist uns der Ewige seine Treue: er hält, was er verspricht. 

Der Geist des Herrn erweckt den Geist in Sehern und Propheten, der das Erbarmen Gottes weist und Heil in tiefsten Nöten. Seht aus der Nacht Verheißung blüht; die Hoffnung hebt sich wie ein Lied und jubelt: Hallelujah!

Von jeher hat Gott manche  Menschen besonders bewegt durch seinen Geist. Das war für diese Menschen nicht nur ein Vorteil. Menschen haben viel auf sich genommen, weil sie aus der Kraft des göttlichen Geistes dem UNgeist etwas entgegengesetzt haben.

Seher und Propheten waren unbequem für die Menschen. Darum haben sie es ihnen heimgezahlt. Ja, Gottes Geist ist unser Element. Es ist wie mit den anderen Elementen: sie sind lebensnotwendig, aber sie können uns auch gefährlich werden.

Der Geist Gottes stellt uns in Frage, er rüttelt uns auf, er fragt uns an, er macht uns unruhig, er verstört uns. Das kann in Konflikte hineinführen, die einen das Leben kosten. Der Geist des Herrn treibt Gottes Sohn, die Erde zu erlösen. Er stirbt, erhöht am Kreuzesthron, und bricht die Macht des Bösen. Als Sieger fährt er jauchzend heim, und ruft den Geist, dass jeder Keim aufbreche. Hallelujah!

Sprecherin: Am Abend aber desselben ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte. Zeigt er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch. Gleichwie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist.

Der Auferweckte ist zugleich der Verwundete. Die Nägelmale und die zerschundene Seite sind sein Ausweis. Daran erkennen ihn die Freunde. Wie Jesus, so sind auch wir verwundet. An Körper, Geist und Seele. Mit unseren Verwundungen sind wir aber Gott gerade recht. Er mutet uns manches zu in unserem Leben, an Leid und Schmerzen.  Er lässt es zu, dass wir verletzt werden, dass wir uns manchmal wund und angreifbar fühlen, verletzbar. 

Doch: das ist nicht umsonst. Es geschieht um unseretwillen und um der Menschen willen. Wir sollen wachsen und empfindsamer werden für die Wunden der anderen Menschen. Zu ihnen sendet der Auferweckte auch uns. Aber nicht einfach so. Sondern mit seiner Hilfe und seiner Kraft, seinem Geist. Selbst verwundet, wie Jesus, sind wir für andere da. Verbinden ihre Wunden, trösten, ermutigen.

„Der Geist des Herrn erfüllt das All.“  Freilich: die Kirche ist nicht das All. Sie hat den Geist Gottes nicht gepachtet. Aber sie betet und hofft, ja: sie vertraut darauf, dass Gott auch die Menschen in der Kirche mit seinem heiligen Geist erfüllt, lebendig macht und auf den Weg bringt.

Der Geist des Herrn durchweht die Welt, gewaltig und unbändig; wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig. Da schreitet Christus durch die Zeit in seiner Kirche Pilgerkleid, Gott lobend: Hallelujah!

 

Audiobeitrag Der Geist des Herrn erfüllt das All


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