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Fußballgott
Flanke von der Mittellinie, der Stürmer plötzlich mutterseelenallein vor dem Torwart. Er verwandelt ohne zu zögern direkt und schießt das alles entscheidende Tor.
Sieg in der Nachspielzeit. Und was macht der Mann? Er bedankt sich bei Gott, bekreuzigt sich und zeigt nach seinem Treffer Richtung Himmel. Man könnte meinen, Fußball sei ein durch und durch religiöses Spiel. Und zwar umso mehr, je wichtiger eine Begegnung ist. Manchmal steht sogar Gott selbst mit auf dem Platz, glaubt man den Fans und den Trainern Der liebe Gott, er muss wohl ein Gott des Sieges sein. Immer auf der Seite der Gewinner. Dass ihm das Tor eines italienischen Stürmers herzlich egal sein könnte, darauf kommt offenbar niemand. Gott, der Sieger-Gott. Das könnte ein ziemliches Missverständnis sein. Jesus hat immer sehr deutlich gezeigt, auf welcher Seite er steht: nämlich auf der Seite der Verlierer. Auf der Seite derjenigen, die im Leben kein Glück hatten, die im Abseits standen: Bettler, Kranke, Außenseiter.
Wenn Gott sich für Fußball interessiert so genau wissen wir das ja nicht , dann ist er sicher auch zuerst bei den Verlierern. Bei denen, die sich abgerackert haben, die alles versucht haben und am Ende trotzdem nach Hause fahren mussten.
Vielleicht ist es aber auch so, wie Oliver Kahn es einmal in einer Presse-Konferenz gesagt hat: Immer wenn's im Fußball nicht so klappt, muss dann der Fußballgott herhalten. Ich halte das für Blödsinn. Es gibt nur einen Gott, und der hat mit Fußball nichts zu tun.
Sprecher: Michael Birgden
Fußballgott
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