Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.05.06, 8.56 Uhr, Pfarrer Albrecht Philipps

Himmelfahrt

Wenn Sie heute einen Ausflug geplant haben, werden Sie sicher einen Blick an den Himmel werfen. Wie wird das Wetter? Ist der Himmel blau und wird es heute ein sonniger Tag?

Oder sind Wolken am Himmel zu sehen und gibt es vielleicht noch Regen? Heute ist Christi Himmelfahrt. Ein Feiertag, an dem viele Veranstaltungen unter freiem Himmel stattfinden werden. Kirchengemeinden feiern ihre Gottesdienste draußen, lassen ihre Lieder und Gebete zum Himmel gehen. Manche meinen, heute sei Vatertag, ein freier Tag für die Väter, damit sie fröhlich mit einem Bollerwagen durch die Landschaft ziehen können. Immerhin, auch sie sind an diesem Himmelfahrtstag unter Gottes großem Himmel unterwegs.

Im Glaubensbekenntnis heißt es über Jesus Christus: Er ist aufgefahren in den Himmel. Das feiern wir heute an Christi Himmelfahrt. Der Evangelist Lukas berichtet darüber folgendes:

Nachdem Jesus von den Toten auferstanden war, ist er noch 40 Tage lang seinen Jüngern in Jerusalem erschienen. Einige meinten, sie sähen einen Geist. Das könne doch nicht sein, dass Jesus, der doch am Kreuz hingerichtet worden war, nun wieder unter ihnen ist. Jesus sagt zu ihnen: „Seht meine Hände und meine Füße an. Ich bin es wirklich. Ein Geist besteht nicht aus Fleisch und Knochen!“ (Lk 24,39). Die Jünger fassen ihn an und er lässt sich von Ihnen berühren. Um ihnen zu beweisen, dass er kein Geist ist, lässt Jesus sich ein Stück gebratenen Fisch geben und isst es vor ihren Augen auf. Da erkennen sie, dass es wirklich Jesus ist. Er ist mit Leib und Seele gegenwärtig. Und dann gibt er ihnen einige Anweisungen für die kommende Zeit. Das wird eine Zeit sein, in der er als Person nicht mehr unter ihnen sein wird. Die Jünger sollen vom ihm erzählen. In seinem Namen sollen sie das Evangelium predigen, von der Vergebung der Sünden zu den Menschen sprechen. In Jerusalem sollen sie damit anfangen und diese Botschaft unter alle Völker bringen. Dafür wird er sie ausrüsten mit einer Kraft aus der Höhe, mit der Kraft des Heiligen Geistes. Der, der die Menschen an Himmelfahrt verlässt, lässt uns nicht allein, sondern sendet gewissermaßen einen Ersatz. Einen Ersatz, der zu einer bestimmten Zeit nicht nur an einem Ort sein kann, sondern einen, der bei allen sein kann, überall auf dieser Welt.

Nach vierzig Tagen geht Jesus mit den Jüngern vor die Tore der Stadt Jerusalem. Dort segnet er sie zum Abschied und fährt vor Ihnen in den Himmel hinauf.

Mit Himmelfahrt ist etwas zuende gegangen. Die Zeit mit diesem besonderen Menschen Jesus auf der Erde. Die Zeit, in der er Menschen heilte und von den Toten auferweckte. Die Zeit, in der er von Gottes Reich sprach. Die Zeit, in der die Menschen, die bei ihm waren, Gott selbst erkennen konnten.

Mit diesem Ereignis vor den Toren Jerusalems hat auch etwas Neues begonnen. Die Zeit der Kirche hat angefangen. Die Kirche ist nicht um ihrer selbst willen da. Sie hält den Himmel für die Menschen offen. Sie soll die Geschichte von Jesus Christus weitergeben. Sie soll die Menschen daran erinnern: Starrt nicht in den Himmel, wenn ihr Gott sucht. Wartet nicht darauf, bis er vom Himmel wiederkommt. Sucht ihn auf der Erde und entdeckt ihn im Angesicht des Mitmenschen.

Audiobeitrag Himmelfahrt


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