Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.05.06, 7.50 Uhr, Pfarrer Albrecht Philipps

Segen

Autor: Bevor sie sich auf eine Reise nach Südamerika machte, kam sie noch einmal in den Gottesdienst. Sie wollte den Segen mitnehmen, wie sie sagte.. Ohne ihn wäre sie nicht

losgefahren. „Der Herr segne dich und behüte dich, er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden.“ (4. Mose 6, 24-26). Es sind Worte aus dem Alten Testament.

Diese alten Segensworte sind für viele Menschen der Höhepunkt eines Gottesdienstes. Gott erhebt sein Angesicht über mich, er lässt es leuchten über mir und er gibt mir Frieden. Vielleicht liegt das daran, dass in diesem Worten unsere allerersten Erfahrungen nach der Geburt angesprochen werden, die noch tief in uns schlummern: Wenn wir Hunger hatten, wenn wir gesäubert werden wollten, wenn wir uns verlassen fühlten, dann war da ein Gesicht über uns, das leuchtete und strahlte. Mit allem, was wir zum Leben brauchten, wurden wir versorgt. Urerfahrungen des Menschen werden hier angesprochen.

In der Bibel ist schon auf den ersten Seiten vom Segen die Rede. Am Anfang, bei der Schöpfung der Welt, segnet Gott die Tiere und die Menschen. Wenn das Leben neu beginnt, wenn Neues entsteht, dann brauchen wir auch Gottes Segen. Jede Lebensgeschichte und jeder neue Abschnitt im Leben soll mit einem Segen beginnen. Meistens meinen wir, der Segen sei eine Handlung, die ein Pfarrer oder eine Pfarrerin vornehmen muss. Aber segnen können nicht nur Geistliche. Jeder Mensch kann das, weil in jedem eine Lebenskraft steckt, die er weitergeben kann. Denn der Segen ist eigentlich nichts anderes als die Weitergabe dieser Lebenskraft. Deshalb sagte man früher, wenn ein Mensch gestorben war, er hat das Zeitliche gesegnet. Bis zum letzten Atemzug steckt Lebenskraft im Menschen, erst wenn der Mensch stirbt, verlässt ihn diese Kraft. Diese Lebenskraft geben wir weiter, wenn wir uns verabschieden oder auch etwas Neues anfangen. Wenn wir uns die Hand geben, wenn wir uns begrüßen, in die Augen schauen, wenn wir uns in die Arme nehmen.

Martin Luther hat uns ein Segensgebet vorgeschlagen, das man morgens nach dem Aufstehen sprechen kann. Als Beginn eines neuen Tages. Nachdem die folgenden Worte gesprochen wurden, soll man mit Freuden seine Arbeit beginnen. Denn wenn der Segen Gottes sich einstellt, dann ist die Freude auch da und dann kann gelingen, was wir uns vorgenommen haben.

Sprecher:
„Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sein mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“

Autor: Ich wünsche Ihnen Gottes Segen für diesen Tag.

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