Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.05.06, 7.50 Uhr, Präses Nikolaus Schneider

Auf Gott hören und mit seiner Realität rechnen

Ein ärgerlicher Grundton bestimmt das biblische Wort für den heutigen Tag, liebe Hörerinnen und Hörer: Durch den Propheten Hosea lässt Gott ausrichten:

Wenn ich auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe,
so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre.

Was Hosea so an uns weitergibt, das ist eine immer wieder gemachte Erfahrung. Menschen suchen nach einer verbindlichen Richtschnur, die für ihr Leben bestimmend ist. Dabei gehen sie aber gerne exotische, bequeme oder selbstherrliche Wege. Sie lassen sich nur zu gerne von anderen verführen. Und der Rausch, mit der Masse zu brüllen, betört die Sinne. Mit den großen Mehrheiten unterwegs zu sein, steigert das eigene Gefühl von Macht und Stärke. Und es ist schier unglaublich, wie gut diese Mechanismen durch alle Jahrhunderte hindurch funktionieren. Menschen bejubeln ihren eigenen Untergang wie die Zuhörer der Sportpalastrede von Joseph Goebbels, als er ihnen zurief: „Wollt ihr den totalen Krieg?“

Ein tausendfach gebrülltes JA zum eigenen Verderben war die Antwort.

Verführung und Verführbarkeit gehören zum Menschsein hinzu – auch heute. Und dazu kommt das fatale Zusammenspiel zwischen den Machtgierigen und denen, die ihre Verantwortlichkeiten nur zu gerne los werden.

Die alttestamentlichen Propheten klagten solche Missbräuche und Missstände immer wieder an. In scharfer Form tadelten sie Untreue und Missachtung. Sind die Gebote Gottes doch ausgerichtet, Leben für alle Menschen zu ermöglichen. Gottes Gebote schufen mit Bedacht einen Schutzraum für die Schwachen und Benachteiligten. Witwen, Waisen und Fremdlinge – so wurden sie in den Schriften des Alten Testamentes genannt – wurden von den Propheten mit dem Augapfel Gottes verglichen. Wer sie antastet, tastet Gottes Augapfel an. Und er hat dann die entsprechenden Konsequenzen zu erwarten.

Alle diejenigen, die aus eigener Kraft oder herausgehobener Stellung, aufgrund von Vermögen oder intellektuellen Stärken nicht für sich sorgen konnten, die sollten in besonderer Weise durch das Gebot Gottes geschützt werden. Materielle Ungerechtigkeit, unverschämtes Verhalten von Reichen, die Ausbeutung und Unterdrückung der kleinen Leute – das war die Form der Missachtung Gottes, die ihn so sehr zu Ärger und Strafe reizte.

Welche Gebote gelten heute? Auf wen sollten die Menschen hören, auf wen hören wir heute? Auch uns sind diese Fragen ganz nahe. Und die mit ihnen verbundenen Herausforderungen auch: Auf Gottes Gebote zu hören und durch eine gute Sozialgesetzgebung die Schwachen und Bedrängten zu schützen, das ist eine Antwort auf diese Herausforderung. Auf Gottes Gebote zu hören und Reichtum auch zum gesellschaftlichen Nutzen einsetzen, das ist eine andere Antwort. Vor allem aber soll gelten: Auf Gott hören, mit seiner Realität rechnen und seine Gebote als Richtschnur für unser Leben achten.


 

Audiobeitrag Auf Gott hören und mit seiner Realität rechnen


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