Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.05.06, 17-18 Uhr, Bettina Wendland

Nein sagen

Eure Rede sei „Ja, ja“ und „Nein, Nein“. Das steht schon in der Bibel. Und das meint nichts anderes: Sei klar und durchdacht in deinen Dingen. Suche dir da keine Ausflüchte.

So wie Merle. Sie ist Grafikerin. Und in ihrer Agentur sehr beliebt. Denn Merle ist hilfsbereit. Wenn ein neuer Kollege anfängt, sie arbeitet ihn ein. Wenn ein Praktikant drei Wochen etwas lernen will. Merle zeigt ihm alles. Und immer wieder bitten Kollegen sie um Hilfe bei ihren Projekten und Entwürfen. Merle möchte es sich mit ihnen nicht verderben. Deshalb sagt sie immer Ja, wenn sie um Hilfe gebeten wird. Sie sagt auch ja, wenn  jemand seine Arbeit auf sie abwälzt. Und niemals sagt sie Nein. Sie hat Angst weniger beliebt zu sein -  bei den Kollegen. Weniger geschätzt zu werden -  von ihrem Chef. Deshalb fällt sie aus allen Wolken, als der Chef sie in einem Gespräch kritisiert: Sie mache zu viele Fehler, ihre Entwürfe seien nicht richtig durchdacht. Sie müsse sich mehr auf ihre Kernaufgaben konzentrieren.

Nach dem ersten Schock begreift Merle: Sie muss lernen Nein zu sagen. Einfach ist das nicht. Aber sie fängt langsam an. Nein sagen erfordert Mut. Aber manchmal ist es einfach dran. Sie muss Grenzen setzen. Ihre eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten ernstnehmen. Und letztlich geht es auch darum ehrlich zu sein.

Seit Merle öfter mal Nein sagt, merkt sie: Wenn sie ihr Nein begründen kann, verstehen das die Kollegen. Zwar sind sie erst etwas erstaunt, aber sie akzeptieren das Nein. Und freuen sich umso mehr über jedes Ja.

Sprecher: Michael Birgden


 

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