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Der letzte Trabbi
Er war die DDR auf Rädern, beschleunigte von Null auf Hundert am selben Tag und präsentierte sich als Traum aus Plaste und Elaste mit 26 PS. Genau 3.069.099 Exemplare
verließen die Montagehallen in Zwickau, und heute auf den Tag genau vor 15 Jahren um 14:51 Uhr lief der unwiderruflich Letzte vom Band: der Trabant. Den Mitarbeitern der Sachsenwerke stand damals das Wasser in den Augen.
Mindestens teilweise heult man bis heute. Zwar rauschen zwischen Rügen und Zittau inzwischen längst die gleichen Karossen durch die Landschaft wie zwischen Flensburg und Garmisch. Mit dem stinkenden Trabbi aber verbindet sich im Osten der Republik immer noch und immer wieder ein Stück Nostalgie und zwar keine ironische wie in diversen Trabbi-Filmen westlicher Bauart, sondern eine von herber Wehmut gezeichnete.
Das ist nicht nur amüsant. Sondern leider auch ein Zeichen dafür, dass rund eine halbe Generation nach der sogenannten deutschen Einheit die Unein-heitlichkeit der realen Lebensverhältnisse, aber auch der Selbstwahrneh-mungen und der Gefühlswelten eher zu- als abnimmt. Dass beispielsweise bei reichlich gewonnenen Olympia-Medaillen nach wie vor akribisch nach-gerechnet wird, wie viele von ost- und wie viele von westdeutschen Sportle-rinnen und Sportlern errungen wurden, ist noch das Geringste.
Da will man sich's in Kultur, Unterhaltung und Sport so richtig gesamtdeutsch gemütlich machen - und schon produziert wieder irgendein Prominenter, der längst in West wie Ost Bekanntheit und Beliebtheit genießt, als Ex-Stasi-Mitarbeiter zusätzliche Schlagzeilen - wie zum Beweis dafür, dass es mit der Aufarbeitung der Vergangenheit komplizierter ist als man denkt und vor allem länger dauert als erwartet.
Das gilt auch für nachwachsende Generationen. Helfen kann hier vielleicht eine Vorstellung, die im zu Ende gehenden Mo-nat die Passions- und Osterzeit bestimmt hat: Versöhnung. Versöhnung, wie sie die Bibel im Zusammenhang von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi versteht, gilt niemals nur mir oder uns. Sie gilt immer allen. Das hört sich banal an. Ist es aber nicht. Ich selbst zum Beispiel bin keineswegs der einzi-ge Duisburger, der sich als Bürger einer Kommune mit rund 18 Prozent Arbeitslosigkeit fragt, wie lange der Stadtkasse noch die Mittel für den Aufbau Ost abgehen sollen. Aber genau das ist, so einleuchtend es auf den ersten Blick scheinen mag, eine fatale Perspektive.
Sie spielt die große Solidargemeinschaft aus gegen die kleine überschaubare, die man immer schon gekannt hat. Sie sagt wir statt alle. Versöhnung dagegen fängt da an, wo ich kapiere, dass Jesus Christus ausgerechnet auch für die gestorben und auferstanden ist, die mit mir und meinen Nächsten um das Stück vom Ku-chen, um die eigene Chance und manchmal auch um den letzten Euro konkurrieren. Das hat was Beängstigendes, weil ich mit so vielen teilen soll. Das hat aber auch was Befreiendes. Es befreit nämlich von den althergebrachten Denkweisen, von den liebgewordenen, aber nutzlosen ideologischen Versatzstücken, die wie einst der Trabbi im Osten auch in West, Nord und Süd durch die Köpfe spuken. samt all der verlogenen Wehmut und all der falschen Nostalgie, die dazugehören. Als ob es nicht Besseres gäbe als was jeder sowieso schon kennt und zwar gemeinsam für alle.
Der letzte Trabbi
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