Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.04.06, 6.56 Uhr, Frank Küchler

Montagsglück

Schon wieder fängt eine neue Woche an! Nicht zu fassen. Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Ja es ist schon wieder Montag. Ich weiß nicht, ob sie das gerne hören,

oder ob ihnen das eher einen Schrecken einjagt. Vielleicht freuen Sie sich auf diese beginnende Woche. Vielleicht denken sie aber auch: Mensch, wenn es doch nur schon Freitag wäre.  Es ist gar nicht so leicht, in der Gleichförmigkeit und Routine des Alltags nicht die Geduld zu verlieren, sich kleine Freuden zu bewahren und mit dem Gefühl von Überdruss und Eintönigkeit fertig zu werden.

Gibt es etwas in dieser Woche, worauf Sie sich freuen?  Wenn Sie an die Arbeit, die getan werden muss, denken, wie geht es Ihnen damit?  Können Sie einen Sinn sehen in dem, was Sie tagein tagaus tun? Denken Sie, dass Sie den Anforderungen gerecht werden können, die an sie gestellt werden? Oder zweifeln Sie eher an sich selbst? Und dann sind da ja auch noch die Arbeitskollegen- nicht unbedingt nur ein Anlass zur Freude, oder? Werden sie etwas von dem umsetzen können, was ihnen persönlich wichtig ist?

Wie schön wäre es,  am Anfang dieser vor uns liegenden Woche etwas von der Gelassen-heit zu haben, die manchmal für einen Moment lang spürbar ist, ohne dass wir etwas dazu tun. Sie ist so etwas wie ein Appetithappen auf das Lebensglück, das wir suchen und nach dem wir uns sehnen!

Solche Momente von Gelassenheit können sich mitten im Alltag ereignen, mit all seinen An-forderungen oder sie ereignen sich gar nicht! Es wäre ja auch nicht klug, die Freude und das Glück auf das kommende Wochenende oder auf den Urlaub im Sommer oder gar auf die Zeit der Pensionierung zu vertagen. Nein, das wäre schade. Es ist ja auch gar nicht mal unbedingt gesagt, dass das funktioniert. Ich erinnere mich an einen Dialog in meinem Lieblingskrimi „Tatort“. Müde von der Verbrecherjagd sitzen die beiden Kommissare beim Bier und sprechen über das Leben. Der eine sagt zum anderen: „Meist haste keine Zeit und wenn du mal Zeit hast, dann weißt du gar nicht, was du damit anfangen sollst.“

Deshalb ist die Aufgabe, so etwas wie eine Alltagsspiritualität zu entwickeln! Gerade heute am Wochenanfang, wo die Woche noch wie ein ungepflügtes Feld vor uns liegt. Es ist nicht schwer!  Wir rechnen einfach fest damit, dass sich etwas von dem, was wir suchen und wonach wir uns sehnen, tatsächlich finden lässt. Aber: nicht erst am kommenden Wochenende oder im Urlaub oder wenn wir Rentner sind. Nein: heute - und zwar mitten in der Routine und Alltäglichkeit des Alltags. Wir rechnen damit, und warten ab, was geschieht. Wollen wir doch mal sehen, ob sich unser Montagsglück nicht finden lässt!

Damit das gelingt, ist es hilfreich, etwas von der rechten Gelassenheit zu entwickeln, die der Mystiker Johannes Tauler im 14. Jahrhundert mit folgenden Worten beschreibt:

Sprecherin: 
„Das Pferd macht den Mist im Stall und obgleich der Mist einen Unflat und Stank an sich hat, so zieht dasselbe Pferd doch den Mist mit großer Mühe auf das Feld und daraus wächst sodann schöner Weizen und der edle süße Wein, der niemals wüchse, wäre der Mist nicht da. Also trage deinen Mist- das sind deine Gebrechen, die du nicht abtun, ablegen, noch überwinden kannst, mit Mühe und mit Fleiß auf den Acker des liebreichen Willen Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Es wächst ohne allen Zweifel in einer demütigen Gelassenheit köstliche, wohlschmeckende Frucht daraus.“

Möge Gott, der mit seinem guten Geist in uns ist und uns verwandeln kann, uns allen am Anfang dieser Woche etwas von dieser Gelassenheit ins Herz geben. Ich wünsche Ihnen einen guten Wochenanfang! Bis Morgen.

Audiobeitrag Montagsglück


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