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Tschernobyl und Verwantwortung
Heute vor 20 Jahren: Tschernobyl. O Ton: (Telefonreportage Reaktorunfall Tschernobyl, 29.4.1986) Die Sowjetunion hat, offenbar unter dem Druck der Meldungen aus aller
Welt über das Kernkraftunglück in Tschernobyl heute Abend in einer Regierungserklärung Einzelheiten erstmals genannt. Danach sind zwei Tote zu beklagen in dem Kernkraftwerk Tschernobyl. Es ist ein Kraftwerksblock direkt betroffen, aber das gesamte Kraftwerk ist abgeschaltet worden. ... (Und) Unklar ist bisher immer noch auch, wie weit es den sowjetischen Technikern gelungen ist, den Schaden unter Kontrolle zu halten.
: Was in der Reportage des WDR am Tag nach der Katastrophe noch unklar war, entwickelte sich schnell zum größten anzunehmenden Unfall der Atomenergienutzung: Ein Super - GAU in einem damals sowjetischen, heute ukrainischen Atomkraftwerk. Eine verheerende Umweltweltkatastrophe, mit Folgen bis in unsere Tage. Zwischen 10.000 und 250.000 Menschen sollen unmittelbar oder an den Spätfolgen der Katastrophe gestorben sein. Schon wenige Tage nach dem Unglück konnten damals auch bei uns in Deutschland erhöhte Werte radioaktiver Strahlung festgestellt werden.
Wir mussten begreifen, dass eine Atomkatastrophe nicht zu begrenzen und nicht nur Angelegenheit eines einzelnen Staates ist. Plötzlich war ein Spaziergang im Wald gefährlich oder der Besuch eines Spielplatzes für die eigenen Kinder ein Gesundheitsrisiko. Mit Tschernobyl setzte bei uns ein Nachdenken ein. Im Jahr 2000 beschloss dann die Bundesregierung, aus dieser gefährlichen Form der Energiegewinnung mittelfristig auszusteigen. Die steigenden Preise von Öl und Gas in den letzten Jahren, die Sorge um unsere Unabhängigkeit als Wirtschaftsmacht, haben Atomkraft allerdings wieder ins Gespräch gebracht. Unsere Atomkraftwerke sollen wieder länger laufen, wird gefordert.
Auch wenn der Bundesumweltminister jüngst in einem Interview Sicherheitsmängel selbst deutscher Atomkraftwerke zugeben musste. Schon vor der Tschernobyl - Katastrophe waren auch aus den Kirchen Stimmen laut geworden, die eine Nutzung der Atomenergie ablehnten.
Sie fanden sie zu riskant und mit der christlichen Schöpfungsverantwortung nicht vereinbar. Sie erinnerten sich an ihren Auftrag aus der Schöpfungsgeschichte, Bewahrer der Schöpfung zu sein, also, verantwortlich mit allem umzugehen, das Gott geschaffen hat. Bewahren und erhalten, verantwortlich sein für den Bestand der Welt. Darum ging es ihnen. Damals wie heute stellt sich deshalb die Frage: Können wir wirklich verantworten, weiterhin eine Technik einzusetzen, deren Risiken so unüberschaubar groß sind? Wollen wir den nachfolgenden Generationen solche Risiken - und nicht zuletzt immer mehr Atommüll - hinterlassen? Selbst wenn es zu einem guten Zweck gedacht ist, zum Beispiel weniger Treibhausgase zu produzieren oder von Staaten unabhängig zu sein, die mit ihren Energievorräten gern von unserer Abhängigkeit profitieren möchten - Können und wollen wir wirklich Verantwortung für mögliche Folgen übernehmen, die wir auch heute noch nicht abschätzen können?
Die Tschernobyl - Katastrophe heute vor 20 Jahren ist ein Mahnmal für Menschen, ihren Glauben an eine kontrollierbare Technik zu hinterfragen - und eine Aufforderung zum verantwortlichen Umgang mit der Welt. Und das nicht nur an Christen, sondern an alle: verantwortliche Politiker, sowie verantwortliche Stromverbraucher.
Tschernobyl und Verwantwortung
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