Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.04.06, 5.56 Uhr, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Urlaub und Dankbarkeit

La mer - qu'on voit danser le long des golfes clairs. Das Meer, - glitzernder Sonne auf dem Wasser – Träume vom endlosen Blau bis zum Horizont...Samstags ist zur Zeit mein

Tag der Träume. Der Urlaubsträume. Die Tageszeitung liefert in der Wochenendbeilage die Vorschläge und Verlockungen für den Sommerurlaub. Noch ist nicht ausgemacht, wie mein Urlaub sein wird - Zeltplatz oder Ferienhaus - aber das ist heute auch nicht so wichtig. - allein schon, wenn ich in den Inseraten stöbere, reise ich in Gedanken - heraus aus dem Alltag, hinein in die Zukunft – und die heißt auch: Sommerurlaub. Im Kopf reicht der Strand fast bis in die eigenen vier Wände und ist doch noch so fern. Nächste Woche zieht man wieder die Schuhe zur Arbeit an, aber heute sind es in Gedanken schon Badelatschen oder Wanderschuhe.

Wohl dem, der aussteigen kann, wenn der Alltag monoton geworden ist und die Ansprüche der Leistungsgesellschaft drücken! Wir brauchen das einfach ab und an: den Alltag unterbrechen, die Arbeit mal wegschieben, Pause machen, ausspannen - .  Mal nichts müssen und sollen und brauchen.

Samstags feiert das Judentum seit alter Zeit seinen Sabbat. Schon Gott hat, so erzählt es die Bibel, nach getaner Schöpfungsarbeit am siebten Tag geruht. Für das Judentum ist Samstag der siebte Tag, der Tag für den Urlaub vom Alltag.

Für mich ist der Sommerurlaub so etwas wie der Sabbat des Jahres.
Wohl dem, der aussteigen kann aus dem Alltag - und seien es nur zwei oder drei Wochen. Nur? - Ich merke, wie anspruchsvoll ich geworden bin. Und wie selbstverständlich meine Erwartungen und die Gewissheit, mit der ich meinen Urlaub plane. Eigentlich ist es doch ein Geschenk, einmal im Jahr – oder sogar mehrmals – aufbrechen zu können, heraus aus dem Arbeitsalltag, zu einer Unterbrechung der besonderen Art, die wir Urlaub nennen.

Zu einem Sabbat des Jahres.
Welch ein Wohlstand, in dem ich leben kann. Welch ein Wohl - Stand – jedenfalls immer noch für viele unter uns. Welcher Lebensstandard ist für uns normal geworden – trotz Wirtschaftskrise und schwindender Kaufkraft. Spätestens dann, wenn ich in meiner Zeitung von den Urlaubsangeboten zurück nach vorne blättere, auch nur kurze Blicke auf den Zustand der Welt werfe, wird mir einmal mehr deutlich, wie glücklich ich sein kann, wie gut ich es habe, was für ein großes Geschenk eine Auszeit des Jahres ist. Und wie wenig selbstverständlich mein Leben in solchem Wohlstand ist. Und was heißt das für all die Wochen des Alltags bis zum Urlaub? „Ich merkte, dass es nichts Besseres gibt, als dass der Mensch fröhlich ist bei seinem Tun. Dass er essen und trinken kann bei seiner Mühsal, ist auch eine Gabe Gottes.“ sagt die Bibel. Also: nichts für selbstverständlich halten, und so glücklicher und zufriedener leben. Urlaubs - Vorfreude genießen. Aber auch den Alltag zwischen den Urlauben als etwas Kostbares betrachten. „Ich merkte, dass es nichts Besseres gibt, als dass der Mensch fröhlich ist bei seinem Tun. Dass er essen und trinken kann bei seiner Mühsal, ist auch eine Gabe Gottes.“

Audiobeitrag Urlaub und Dankbarkeit


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