Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.04.06, 18-19 Uhr, Christiane Birgden

Rumrotzen

„Flatsch“! Neben mir erbricht sich ein gelber Flatschen Schleim – 10 cm von meinem Fuß. „Na, das ist ja noch mal gut gegangen“, denke ich. Aber es nervt.

Das öffentliche Rumrotzen ist Mode geworden. Früher war es eine Eigenart alter Männer, heute ist Rotzen hip. Egal ob bei Gymnasiasten oder Hauptschülern – gerotzt wird zu allen Gelegenheiten.

Grad noch knutschen die zwei heftig rum. Dann er „rotz“. Scheint nicht besonders gut geschmeckt zu haben - die Frau.

Was drückt einer aus, der seine Umgebung dauernd bespucken muss? Dass er sie nicht besonders mag? Dass es ihm egal ist, dass andere durch seine Rotze waten müssen?

Vor gut 150 Jahren schreibt der Indianerhäuptling Seattle einen Brief nach Washington. Er war gefragt worden, sein Land zu verkaufen. Er antwortet: „Wie soll das gehen? Die Erde ist unsere Mutter und seine Mutter kann man nicht verkaufen!“

Für mich ist die Erde zwar nicht die Mutter, aber sie ist Gottes Schöpfung. Deshalb stört es mich, wenn sie bespuckt wird.

Also habe ich an der  Bushaltestelle  so einen notorischen  Rotzer. angesprochen und ganz betroffen gefragt, ob er mit „übermäßiger Schleimproduktion“ zu tun habe. Da war er ziemlich irritiert und die restliche Zeit, in der wir gemeinsam auf den Bus gewartet haben, ging es auch ohne Rotzen.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Rumrotzen


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