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Zum Todestag von Dietrich Bonhoeffer
Langsam kriecht das Tageslicht durch die Gitterstäbe in die schäbige Zelle. Schon seit Stunden konnte man die Vögel hören, die den neuen Tag begrüßten.
Seinen letzten Tag, das weiß Pfarrer Dietrich Bonhoeffer.
Sprecher: Das wird mein Ende sein, aber auch mein Anfang.
Er hört sie kommen, die schweren Stiefel, den Marschtritt, das Klirren von Waffen und Schlüsseln. Er kennt diese Geräusche seit langem, ist seit Jahren inhaftiert. Er hatte sich dem Widerstand gegen Hitler angeschlossen. Er wusste dass das gefährlich war, dass es sein Leben kosten konnte. Er hatte oft Angst gehabt. Kannte die dunklen Stunden der Verzweiflung, der aufkeimenden, wilden Hoffnung, der deprimierenden Enttäuschung. Warum hat er es trotzdem getan? Woher nahm er den Mut, die Kraft? War er ein Übermensch? Der Glaube an Gott und der Kampf gegen das Unrecht der Nazi-Diktatur sind für ihn zwei Seiten derselben Medaille.
Sprecher: Christsein besteht im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen.
Als Christ weiß er, dass er sich durch sein Tun aber auch durch sein Lassen schuldig macht. Er kann nicht die Augen schließen und abwarten, bis der Spuk vorüber ist.
Sprecher: Die radikalste Form des Widerstandes besteht darin, nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen."
Dietrich Bonhoeffer betrachtet sich nicht als unschuldig Inhaftierter. Er nimmt sein Schicksal als Folge seines Handelns aus Gottes Hand, denn er weiß: Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen.
Sprecher: Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.
Er glaubt, dass ein Christ es wagen muss, Schuld auf sich zu nehmen, dass er in die Lage kommen kann, um der Liebe und der Wahrheit willen alle Gebote zu übertreten, zu lügen, zu betrügen, zu stehlen und sogar zu morden.
Sprecher: Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
Am frühen Morgen des 9. April 1945, heute vor 61 Jahren, öffnete sich die Tür zur Zelle des evangelischen Pfarrers Dietrich Bonhoeffer. Man führte ihn in eine kleine Kammer im Konzentrationslager Flossenbürg. Dort wurde er wegen seines politischen Widerstandes gegen das Nazi Regime erhängt.
Sprecher: In mir ist es finster, aber bei Dir ist das Licht; ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht; ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist Hilfe; ich bin unruhig, aber bei Dir ist Friede; in mir ist Bitterkeit, aber bei Dir die Geduld; ich verstehe Deine Wege nicht, aber Du weißt den Weg für mich.
Das Todesurteil gegen Pastor Bonhoeffer und andere Widerstandskämpfer wurde erst in den 90er Jahren offiziell für Unrecht erklärt.
Zum Todestag von Dietrich Bonhoeffer
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