Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.04.06, 7.45 Uhr, Erhard Ufermann

Ostern: Der Aufstand des Lebens gegen den Tod

Man hatte den Leichnam des Verurteilten in ein Grab gelegt und mit einem mächtigen Felsbrocken verschlossen. Soldaten patrouillierten vor dem Grab und bewachten den Tod.

Eine Frage der Inneren Sicherheit.  Und dann kamen ein paar Frauen zum Grab. Morgens in der Dämmerung. Eigentlich wollten sie den Leichnam ihres Freundes Jesu nur balsamieren, ein wenig schminken. Dass die Verwesung und der Tod nicht so hässlich aussehen.

Unterwegs fragten sich die Frauen noch, wer ihnen denn jetzt den Stein vom Grab wegrollen könnte? Die eigenen Männer waren untergetaucht. Sie hatten Angst. Die Polizei suchte noch die Sympathisanten dieses aufmüpfigen Handwerkers aus der Provinz, den sie fertig gemacht hatten.

Und dann stehen die Frauen vor dem Grab, und der Stein ist weg. Allerdings der Totgesagte und die Soldaten auch. Schwierig. Wegen der Ordnung und der Inneren Sicherheit. „Auferstehung“ sagen wir dazu. „Auferstehung“: Der Aufstand des Lebens gegen den Tod!

Plötzlich ist der Tod nicht mehr zu sichern. Auch nicht mit den größten Felsbrocken oder Beton. Leben setzt sich durch. Natürlich bekommt man Angst, wenn Tote nicht dort sind, wo sie hingehören. Wenn sich die Toten schon nicht mehr an unsere Gesetze, Gräber und Mauern halten. Auf was kann man sich denn da überhaupt noch verlassen? Da kriegen alle Angst, gerade die Mächtigen, die bis dahin definierten, wer dazu gehört, und wer illegal und kriminell ist.

Auf einmal gerät alles durcheinander: Tod ist nicht mehr Tod. 2 und 2 ist nicht mehr 4. Gesetze sind für den Menschen gemacht und nicht umgekehrt. Auf einmal ist nichts mehr selbstverständlich. Und Gott gibt den Totgesagten Recht.
Aber in dem Grab saß ein Engel. „Was sucht Ihr Jesus bei den Toten?“ fragte er die Frauen.

Engel gibt es natürlich auch heute noch. Das ist so einer, der einem hilft, am Leben zu bleiben oder wieder lebendig zu werden.  Engel helfen einem raus aus alten Strukturen und selbst geschaufelten Gräbern. Und der Engel damals sagte zu den Frauen:  „Geht dorthin zurück, wo Ihr hergekommen seid. Geht in Eure alte Umgebung. Dort lässt ER sich finden.“

Auferstehung passiert mitten drin, unter uns. Wenn jemand plötzlich Dinge tut, die man nie erwartet hätte: Da macht einer im Betrieb den Mund auf, der völlig tot zu sein schien. Ein anderer kippt den Alkohol ins Klo. Eine Frau steht vom Küchentisch auf und sagt plötzlich: „Das kann doch nicht alles gewesen sein!“

Wenn einer lebendig wird, erkennen ihn oft die eigenen Leute nicht wieder. Auferstehung finden die wenigsten toll – die Mächtigen, die die Gräber ausgesucht haben, nicht – und die eigene Familie oft auch nicht. Schwierig. Die meisten wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Vielleicht ein bisschen besser „geschminkt“. Nur Gott will es nicht. Er wollte es damals nicht, dass der Tod Recht bekommt, und er will es heute nicht. „Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn mit dem Tod alles zu Ende wär!“ Gott will den Aufstand gegen all das, was Menschen fertig macht.
ER will: Leben.

Ostern ist ein richtiger Feiertag. Ein Festtag gegen das Sterben unter uns. ER ist auferstanden. Fröhliche Ostern!

Audiobeitrag Ostern: Der Aufstand des Lebens gegen den Tod


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