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Gründonnerstag
Grün-Donnerstag, seltsamer Name. Über die Bedeutung streiten sich die Gelehrten. Ich will mich daran nicht beteiligen.
Mir ist viel wichtiger, woran der Tag selbst erinnern will. Er erzählt davon, dass Jesus Christus Gottes Liebe vollendet. Das Evangelium fasst dies in einem Satz zusammen: Wie er die Seinen geliebt hatte,..., so liebte er sie bis ans Ende. Und dann berichtet es davon, wie Jesus am Abend vor seinem Tod seinen Jüngern die Füße wäscht. Was für eine Liebe ist das?
Nicht nur ein gewisses Gefühl. Nicht nur eine kribbelnde Ahnung tief innen in einem Menschen. Liebe ist Arbeit. Liebe ist nicht: dem anderen den Kopf waschen, den anderen so formen, dass er meinen Wünschen entspricht. Liebe ist: Füße waschen, arbeiten und sich nicht über den anderen erheben. Nicht sich anhimmeln und anhimmeln lassen. Eher: sich auch die Hände dreckig machen; Arbeit, bei der man sich bücken muss nicht als Ritual, sondern mit schmerzendem Rücken und rissigen Händen. Manchmal auch mit einem wehen Herzen.
Liebe, Jesu Liebe, sieht dem anderen nicht nur in die Augen, sondern auch auf die Füße. Mit Zwinkern und Liebäugeln ist es nicht getan. Zu schnell geht es dann: Aus den Augen - aus dem Sinn...
Jesus sieht auch unsere Füße das heißt: Er erkennt die Spuren der Wege, den Staub an unseren Füßen und den Dreck. Er sieht den Staub des Lebens, den wir aufgewirbelt haben und die Last unserer Tage. Seine Liebe erkennt auch die erborgenen Verletzungen; auch, die uns nicht, noch nicht, im Gesicht geschrieben stehen: Das heimliche Leid, die Schwielen und Blasen von vielen vergeblichen Wegen, die Irrwege und Umwege, das ratlose Hin- und- Hergehen wie ein Gefangener in der Zelle; das Stolpern und Straucheln und auch das wütende Stampfen mit den Füßen, den bösen Tritt alles hat Spuren hinterlassen. Sie erzählen vom Laufen und Matt- werden, vom Wandeln und Müde- werden.
Wer will sich schon über solche Füße beugen und sie pflegen? Da bekommt es einer mit mehr als nur Staub und Schweiß zu tun. Sich so eines Menschen annehmen wer kann das? Da muss man schon gut auf eigenen Füßen stehen, sich selber gewiss sein, ohne alle Überheblichkeit, aber selbstverständlich und vielleicht sogar mit einem Lachen oder zumindest Lächeln im Herzen.
Wie er geliebt hatte die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Er bringt Liebe mit, Liebe für seine Freunde in dieser Welt. Er bringt Gottes Liebe in diese Welt. Er kommt aus der großen Liebe und teilt sich mit. Das will uns das Evangelium des Gründonnerstages ans Herz legen.
Gründonnerstag
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