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Die Stille danach
Karfreitag ist ein großer ein Schrei nach Hilfe. Karsamstag die Stille danach. "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Und dann: Nichts. Gott hüllt sich in Schweigen. Das ist Karsamstag: die Stille nach dem Schrei, der Absturz ins Nichts; höllenwärts. Einen langen bitteren Reigen führt dieser Mensch an, der diese Klage eröffnet hat: Mein Gott, warum?. Und immer wieder geschieht es, dass sich einer einreiht und in das klagende Rufen einstimmt.
Doch jedem wird es ergehen wie ihm: Er muss auf eine Antwort warten. Tag und Nacht bleibt sein Ruf ohne Antwort. Jeder andere ist froh, nicht an seiner Stelle zu sein. Er aber findet sich hinabgestoßen, tief abgestürzt, von Gott und aller Welt verlassen. Seine Würde ist ihm genommen. Aus der Distanz wird er gemustert und abgeschrieben. Dabei ahnen wir zutiefst, mehr noch: Wir wissen schon längst, wie sehr dieser Schrei der Gottverlassenheit, auch ein Schreien nach dem Menschen ist; ein Ruf nach dem geschwisterlichen Menschen. Ein Schrei nach Gerechtigkeit und Respektierung der Menschenwürde, ein Ruf nach Nähe und gegen die Gefangennahme derer, die Zuflucht suchen. Wer antwortet?
Jesus Christus hat den Warum- Ruf am Kreuz aufgenommen. Erhat sich eingereiht in die Kette derer, die tiefste Verlassenheit und Finsternis beklagen, Unrecht, das zum Himmel schreit, weil auf Erden keiner mehr hören will. "Mein Gott, mein Gott, warum.." so hat er in die Nacht der Gottverlassenheit und Verfinsterung des menschlichen Antlitzes hinausgerufen. Und dann Stille, Todesstille.
Ist dies das Ende? Das Evangelium sagt: In ihm ist der Gott der Liebe hinausgegangen, hat seinen Himmel verlassen, uns zu suchen, zu finden. Wo sucht er uns? In der Krippe, bei den Kranken, bei den Schuldigen. Auch in der Verlassenheit? Auch in der Hölle des Warum? Ja, auch und gerade dort. Darum ist der Sohn in das fernste Leiden gefallen, der Christus hinabgestürzt in einsamste Tiefen, dass wir auch dort nicht allein sind.
Wer in Einsamkeit und tiefste Verlassenheit getrieben wird, muss darum die Tiefe nicht leer finden. Wer in die Hölle der Gottverlassenheit gestürzt wird, muss diesen Ort nicht unbesetzt finden. In der tiefsten Tiefe steht ein Kreuz aufgerichtet. Der dort hing, hat das Leiden vollbracht. Er war schon hier und ist hier und geht mit. Seit jenen Tagen in Jerusalem steht an den Mauern unserer Gefängnisse und der Folterkammern unserer Seelen, an den Wänden der Nacht und den Gittern der Verzweiflung geschrieben der Name Jesus Christus. So glauben wir als Christen. Dort ist er selbst und erträgt mit uns die Stille, das Warten, bang und verloren.
Karsamstag Stille lastet auf dieser Welt. Keine Betriebsamkeit kann sie übertönen. Doch einer hält mit allen Fragenden, mit allen verlassen Wartenden aus. Und weckt so Vertrauen: "Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir!" So ist die Stille auszuhalten.
Die Stille danach
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