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Was weiß Gott denn davon?
Karfreitag Freitag des Leidens. Golgatha, Ort der Hinrichtung, einzigartig und doch überall. Und überall rufen Menschen ihre Götter an, bittend oder fluchend.
Doch: Was wissen Götter denn schon von Schmerzen und Leid? Götter scheuen seit jeher das Leiden. Sie bleiben auf sicherem Abstand.
Die Bibel erzählt von einem anderen Gott. Der bleibt nicht auf Abstand. Er liebt. Und Liebe will alles durchdringen. So sehr hat Gott uns geliebt, dass er unsere Leiden nicht nur ansieht, sondern sie teilt.
Die Treue zu seinem Volk Israel ließ er sich immer etwas kosten. Und dort kommt er zur Welt, wird Mensch unter Menschen. Engel jubeln: Euch ist heute der Messias, der Heiland geboren!
Karfreitag sehen wir ihn als leidende Gestalt. Auf seinen Schultern der Pfahl, an dem er gehängt werden wird. Er geht den Weg aus der Stadt hinaus zur Hinrichtungsstätte: Er weiß seitdem, wie schwer das Kreuz wird, das Menschen tragen; er kennt den Weg ohne Heimkehr, den Weg nach dem Todesurteil. Er weiß den Schmerz der gefesselten Hände, der Folter und Hinrichtung, die Leiden der unschuldig Verurteilten und Entrechteten.
Gekreuzigt wird der Christus Gottes mit zwei Verbrechern: Er weiß nun von dem Leid der Verachtung; weiß, wie weh es tut, unter die Verbrecher gerechnet zu werden, kriminalisiert, diskriminiert, ausgestoßen und aller Menschenwürde beraubt, entblößt und zur Schande gemacht.
Seine Kleider werden verteilt: Er kann sein geringes Erbe nicht selber regeln. Auch das Wenige, das er nachlässt, wird ihm genommen. Verfügt wird über ihn und das Seine. Das tut weh. So ohnmächtig und unbeachtet verstummen müssen in der eigenen Angelegenheit, das ist entmündigend. Er weiß, wie das schmerzt, vertrieben und vom Eigenen mit Gewalt getrennt zu werden.
Verlost wird das Letzte, was er hat: Da weiß er, wie denen zumute ist, die bei der Verlosung des täglichen Bedarfs leer ausgehen, die beim Lotteriespiel des Lebens immer den Kürzeren ziehen. Er weiß, was es bedeutet, zum Spielball der anderen, der Mächtigeren gemacht zu werden.
Und das Volk steht dabei und schaut zu: Anlass der Sensationslust zu sein, auch das tut weh. Da wird mit dem Finger gezeigt und hinter dem Rücken geredet - das schafft Leid. Er kann sich nicht wehren, der da begafft wird. Er muss es sich gefallen lassen, ein Objekt der Neugier zu sein. Die lüsternen Gefühle werden gekitzelt, jedes Stöhnen schafft den Zuschauern neue Schauer der Genugtuung. Und dann die Obersten, auch die Soldaten, sogar einer der Mit-Gekreuzigten: Ein dreifaches "Hilf dir selbst!" Wenn du wer bist, ein Helfer, der Messias, Gottes Knecht, König der Juden, dann hilf dir selber!
Das tut weh, das sticht ins Herz. Nicht helfen können, anderen nicht helfen können, sich selber nicht, das tut weh, schafft Leiden. Doch er weiß darum. Er erfährt es am eigenen Leibe. Die große Hilflosigkeit angesichts des Sterbens und des Todes - er erleidet sie.
"Gott, liebst Du uns? Weißt Du, was uns weh tut, woran wir leiden?" Ja, sagt das Evangelium, Gott weiß. Er bleibt nicht in der Ferne und schaut sich unser Leid an. Er kommt nicht und analysiert es, verfasst keinen fundierten wissenschaftlichen Bericht und gibt auch keine theologische Erklärung. Er hat sich ganz und gar in unser Weh hineinbegeben, unser Leid getragen, ertragen.
Was weiß Gott denn davon?
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