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Passion Christi
Eine Tagung zu Gewalt in den Medien. Vorn sind ein Beamer, Lautsprecher und eine große Leinwand aufgebaut.
Wir Teilnehmenden sollten auch sehen, wovon wir reden. Zunächst waren Szenen aus einem Anti-Kriegsfilm zu sehen: schrecklich. Aber die meisten von uns kannten den Film und wussten, was sie erwartet.
Danach für alle die schlimmste Szene: Die Geißelung Jesu durch die Soldaten aus dem Film Passion Christi von Mel Gibson. Sie schien uns endlos zu dauern und war kaum auszuhalten: die klatschenden Schläge, das Blut, die Schreie, das schmerzverzerrte Gesicht, der zusammenbrechende Körper, die Hände, die sich in das Holz krallen, an das sie gekettet sind. Immer wieder habe ich die Augen geschlossen oder weggeschaut, aber der Ton lies sich nicht abschalten; und magisch zog er an, die Augen wieder kurz zu öffnen. Ich spürte mein Herz schlagen, meine Hände schwitzten und in meinem Kopf war nur der eine Gedanke: Wann hört das endlich auf? Dass ich auch hätte rausgehen können, kam mir nicht mehr in den Sinn..
Danach: Totenstille. Entsetzen und erstarrte Gesichter. Keine Regung bei den Zuschauern. Kein hörbarer Atem bis schließlich einer das Schweigen bricht mit dem Satz: Hätte man Jesus tatsächlich so gefoltert, dann hätte er sein Kreuz nicht mehr nach Golgatha tragen können. So eine unhistorische Darstellung! Minutenlang haben wir darüber diskutiert. Jedes rationale Gespräch war jetzt besser als die Gefühle spüren zu müssen, die diese Szene auslöst: Entsetzen, Ohnmacht Verzweiflung und Angst angesichts dessen, was Menschen möglich ist..
Der nächste Filmausschnitt läuft an: Bowling for Columbine: Szenen von einem Massaker in einer Schule: verstörte Schüler unter Tische geduckt, Schüsse, aufgeregte Radioreporter. Wieder halten alle den Atem an. Erst als weinende Eltern und Schüler auf dem Bildschirm erscheinen, löst sich auch bei uns Zuschauenden die Starre. Viele haben Tränen in den Augen. Schrecklich, was Menschen Menschen antun können.
Wir wollten uns damit auseinandersetzen, was es beim Menschen auslöst, Gewalt in den Medien zu sehen. Jetzt hatten wir es am eigenen Leib erfahren. Gewalt zu sehen macht hilflos und starr. Lässt Gefühle gefrieren. Lasst uns Zuflucht nehmen zu fernen Gedanken. Lässt unser Mitgefühl ermüden. Erst wenn es vorbei ist, wenn wir auch im Film wieder in Sicherheit sind, wenn wir sie Trauernden sehen: die Folgen von Gewalt, taut das Mitgefühl wieder auf.
Wo der Blick auf die Folgen von Gewalt und die Gegenbilder fehlen, bleiben Menschen starr und unbewegt. Bilder von Gewalt schrecken nicht ab und motivieren zu gar nichts. Deshalb brauchen wir dringend weniger Bilder von Gewalt und mehr Bilder des Mitgefühls und der Solidarität, der Zärtlichkeit und der Zuversicht: so eine Art Mediendiät als ein Naturschutzgebiet für Herz und Seele.
Passion Christi
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