Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.04.06, 5.56 Uhr, Pfarrerin Sabine Haupt-Scherer

Pilatus und Jesus

Jesus und Pilatus. Mit diesen beiden Männern treffen zwei Welten aufeinander. Der eine – Pilatus – ist Chef der römischen Besatzungsmacht, in Jerusalem ungefähr

so beliebt wie die Pest. Pilatus verkörpert die Unterdrückung durch die Römer. Erinnert die Juden an die eigene Niederlage.  Mit Macht und Brutalität versucht er die Unterdrückten einzuschüchtern und ruhig zu halten. Denn er weiß um ihre Rachegelüste. Pilatus ist mächtig, ist Verwalter der Macht in der Fremde – ein viel gehasster Mann. Ob er manchmal Angst hat – um sich, seine Familie, seine Karriere?

Der andere – Jesus – ist ein Wanderprediger und Idealist. Einer, der nichts hat und nichts darstellt. Einfach ein guter Mensch. Jesus kümmert sich um die Armen, die Kranken und die Ausgestoßenen. Er erzählt von Gott und wirbt um Vertrauen. Er will den Geschundenen ein Bollwerk sein gegen die Angst. Jesus kämpft darum, dass das Vertrauen der Menschen in Gott größer sei als ihre Angst vor der Welt. Jesus versteht sich als Zeuge der Wahrheit, der Treue Gottes.

Damit kommt er Pilatus in die Quere, dem Mann, der mit der Angst arbeitet, um die Leute still zu halten. Jesus und Pilatus – eine Konfrontation auf Leben und Tod. Pilatus ist Pragmatiker: Für ihn zählt, was seinen Zielen nützt. Er wollte Jesus nicht hinrichten, aber er glaubte, es tun zu müssen. Der Ruhe im Lande zuliebe. Gefühle, Charakter und Überzeugung glaubte er, sich nicht leisten zu können.
Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld. Am Ende kriegt er es hin, Jesus dem Tode ausgeliefert zu haben und doch unschuldig zu bleiben– einer der chronisch Gewissensreinen, dem es reicht, es nicht gewesen zu sein.
Er findet an Jesus keine Schuld, aber am Ende steht für ihn das „Macht mit ihm, was ihr wollt!“ So spricht einer Recht, für den Verantwortung ein Fremdwort ist.

Jesus dagegen übernimmt Verantwortung. Er hätte sich retten können – leugnen oder fliehen. Aber jetzt zu fliehen, würde bedeuten, alles zu zerstören, was ihm in seinem Leben wichtig war. Man wüsste dann ein für alle mal, dass es keine Macht gibt, die stärker ist als die Angst und dass Vertrauen und Glaube nur etwas ist für Schönwettertage. Jesus steht zu seinem Leben, selbst wenn es ihm das Leben kostet.

Am Ende scheint Pilatus zu siegen: Er hat sich den Wanderprediger vom Hals geschafft. Seine Macht ist unangetastet. Noch stellt sich ihm die Frage nach der Angst nicht. Jesus stirbt für seine Überzeugung, dass Gottes Treue stärker ist als alle Angst vor weltlicher Macht und vor dem Leben. Und Ostern am leeren Grab wird sich zeigen, dass dieser Mut nicht aus der Welt zu schaffen ist!

Audiobeitrag Pilatus und Jesus


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