Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.03.06, 7.50 Uhr, Pfarrerin Dr. Barbara Schwahn

Gottes Schutzengel

Mein jüngerer Sohn hat zu seiner Geburt einen kleinen Engel aus Stoff geschenkt bekommen. Ein Schutzengel sollte es sein. Er hing lange über seinem Kinderbettchen und danach

am Vorhang in seinem Kinderzimmer. Eine ganz anrührende Idee seiner Patin, fand ich. Und trotzdem hatte ich beim Aufhängen ein leichtes Bauchgrummeln. Eigentlich beschützt doch Gott mein Kind. Er hält doch seine Hand über das Kleine. Darum bete ich doch abends vorm Einschlafen an seinem Bettchen. Genau genommen brauche ich doch da gar keinen Schutzengel mehr. Er hat doch auch so ein bisschen was von einem Glücksbringer, einem Maskottchen. Und doch boomt das mit den Schutzengeln regelrecht. Oder vielleicht deshalb? In Baby-Katalogen kann man sie bestellen. In der Grundschule fällt den Kindern zum Thema Engel immer zuerst der Schutzengel ein. Und immer wieder erzählen mir Menschen davon, wie sie selbst einen Schutzengel gehabt haben.

Wie die Mutter, die mir vor der Taufe Ihres Neugeborenen von den Problemen in ihrer Schwangerschaft berichtete. Ihr Herz war sehr schwach und der Belastung mit dem Kind im Leib nicht gewachsen. Irgendwann gegen Ende der Schwangerschaft standen die Ärzte kurz vor der Entscheidung, nur entweder ihr Leben oder das des Kindes retten zu können. Aber dann ging doch noch mal alles gut. Das Kind kam gesund zur Welt. „Da hat mir ein Schutzengel geholfen“ sagt sie, „da hat Gott seine Hand im Spiel gehabt. Deshalb möchte ich mein Kind unbedingt taufen lassen.“ Aha, denke ich. Vielleicht ist es für viele einfacher, von einem Schutzengel zu sprechen als gleich davon, dass Gott ihnen geholfen oder sie beschützt hat. Viele haben es sicherlich im Hinterkopf, dass eigentlich Gott handelt, wenn sie vor Gefahren bewahrt werden. Aber sich den Engel vorzustellen, der über einem schwebt und vor Unheil abschirmt, ist einem näher. Gibt einem eher das Gefühl der Geborgenheit. Er lässt einen unmittelbarer die Liebe spüren, die in diesem Beschützt werden zum Ausdruck kommt. Gott selbst ist da scheinbar ferner, unerreichbarer. Und schließlich steht es ja auch in der Bibel, im 91. Psalm, dass Gott seine Engel sendet, um uns zu beschützen:

Sprecher:
„Der Herr ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen. Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stössest.“

Autorin:
Was für ein schönes Bild. Dieser Vers wird von vielen als Taufspruch für ihr Baby ausgesucht. Und ist beliebt bei Konfirmanden als Segensspruch. Da geht so richtig das Gottvertrauen mit dem Beter durch. Das muss man dazusagen. Denn manchmal geht es eben auch nicht so glatt im Leben. Die Verse beschreiben nicht unsere ganze Wirklichkeit. Zwei Mütter, die ich auch kenne, würden nämlich sagen: „Mein Kind hat Gott nicht beschützt. Es ist kurz nach der Geburt gestorben. Warum hat sein Schutzengel da versagt?“
Warum uns trotz allen Vertrauens in Gott und trotz unzähliger Gebete manches harte Schicksal eben doch trifft, die Frage bleibt leider auch für uns Christen offen. Was ich Ihnen sagen kann, ist: Gott verspricht uns nicht, dass das Leben ein Zuckerschlecken ist und am Ende alles immer gut ausgeht.  Aber er verspricht uns etwas sehr wichtiges. Dass er auch und gerade dann bei uns ist, wenn es nicht gut für uns aussieht. Seine Engel tragen uns auf Händen, dort, wo unser Weg am steinigsten ist. Damit wir nicht verzweifeln und neu Hoffnung schöpfen.

Audiobeitrag Gottes Schutzengel


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