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Gabriel, der Sevice-Engel
Er begegnete mir höchstpersönlich, neulich, vor unserem Haus: Gabriel, der Serviceengel. Der Slogan steht auf seinem Firmenfahrzeug, mit einem Heiligenschein über dem Namen.
Super Idee, sage ich zu Herrn Gabriel. Wenn man schon so heißt, wie ein Engel, dann muss man doch was daraus machen, sagt er. Klar, denke ich. Schließlich sind Engel ja nicht immer nur aus Porzellan oder Goldpapier, zum an den Weihnachtsbaum hängen. Sie zieren nicht nur prunkvolle Barockaltäre. Der Engel Gabriel aus der Bibel hat zum Beispiel Nach-richten von Gott überbracht. Das war sein Service für die Menschen. Er ist berühmt gewor-den, weil er direkt von Gott zu Maria gekommen ist und ihr angekündigt hat, dass sie ein Kind erwartet, nämlich Jesus. Und vorher war er schon bei dem Priester Zacharias und hat ihm die Geburt seines Sohnes Johannes mitgeteilt. Er hat den beiden eine Nachricht von Gott überbracht, die ihr Leben grundlegend verändert hat. Dieses Servicepersonal, das aus dem Himmel kommt, um auf der Erde den Willen Gottes kundzutun, stellen wir uns landläufig als Männer mit Flügeln vor. Wie sollten sie auch sonst diesen Höhenunterschied überwinden, hat man sich irgendwann mal gedacht, und diese Vorstellung entwickelt.
Aber manchmal sind sie sogar so richtig aus Fleisch und Blut, die Engel, wie wir. Ganz ohne Flügel und gar nicht als solche erkennbar. Und tun so richtig Gutes für einen, helfen Men-schen weiter, sorgen dafür, dass der Alltag reibungslos funktioniert. Als Dienstleister Gottes könnte man sie vielleicht auch bezeichnen, als sein Servicepersonal.
Wir Menschen werden uns nämlich ganz oft untereinander zu Engeln. Dadurch erreichen wir zwar selten Berühmtheit. Aber wir leisten für Gott einen wichtigen Dienst. Wir geben Gott so die Möglichkeit, unter uns Menschen aktiv zu werden.
Neulich fuhr ich zur Arbeit und dachte: Wie sollst du heute denn wieder rumkommen. Eigent-lich müsstest du an den Schreibtisch, aber da müssen noch die Gemeindebriefe sortiert wer-den und die nächste Veranstaltung vorbereitet. Ich komme ins Büro und traue meinen Augen nicht: die Gemeindebriefe sind schon in 10-er Packs gestapelt und ein Vorschlag für die Ver-anstaltung am Wochenende liegt sauber ausgedruckt auf dem Tisch. Du bist ein Engel, sage ich zu meiner Mitarbeiterin. Und ein Stein fällt mir vom Herzen.Wie viele Menschen gibt es, die täglich dafür sorgen, dass wir den Alltag bewältigt kriegen. Alle, die Angehörige pflegen, Grosseltern, die den Kindern den Rücken freihalten, weil sie die Enkel betreuen, Menschen, die in Vereinen, in Schulen und Kindergärten dafür sorgen, dass mehr möglich ist, als das, was das Personal leisten kann, dass Menschlichkeit in die Welt kommt, Liebe verströmt wird, Güte erfahrbar wird. Durch sie wirkt Gott unter uns. In einem Gedicht von R. O. Wiemer heißt es:
Sprecher: Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein, oft sind sie alt und hässlich und klein, die Engel. Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel. Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel. Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel. Dem Kranken hat er das Bett gemacht. Er hört, wenn du ihn rufst in der Nacht, der Engel. Er steht im Weg und sagt: Nein, der Engel. Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.
Autorin: Seien Sie ein solcher Engel, oder begegnen sie einem. Das wünsche ich Ihnen.
Gabriel, der Sevice-Engel
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