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Glauben und handeln
Wir brauchen keine Sonntagsreden mehr, sondern endlich Taten, lese ich in einem Zeitungsartikel zum Reformstau in der Politik. Nirgendwo brauchen wir Sonntagsreden, in der
Politik nicht, im privaten Leben nicht, in der Familie nicht, auf der Arbeit nicht, auch nicht in der Kirche.
Wir haben genug geredet. Haben lange genug die Hände in den Schoß gelegt, es uns gut gehen lassen, uns wohlig eingerichtet in unserem kleinen Reich, zu Hause, im Freundeskreis, vielleicht auch in der Kirche. Lange genug so getan, als sei unser Leben ein langes schönes Wochenende.
Gott, der Herr, sagt: Ich hasse eure Feiertage und kann eure Versammlungen nicht mehr riechen. Hört auf mit dem Geplärr eurer Lieder! Euer Harfengeklimper ist mir lästig! Sorgt lieber im Alltag dafür, dass jeder zu seinem Recht kommt! Recht und Gerechtigkeit sollen das Land erfüllen wie ein Strom, der nie austrocknet. Amos, der Prophet, 750 Jahre vor Christus.
Wie man sieht: Kein neues Problem, die oft so merkwürdige Kluft zwischen Sonntag und Alltag, zwischen Sonntagsreden und Handeln, wenns drauf ankommt.
Keiner von uns ist davon ausgenommen. Christen wie Nichtchristen, kirchliche und politische Würdenträger, Fußballer und ihre Trainer, Eltern, die ihre Kinder erziehen, Kinder in der Schule, Abteilungsleiter in der Firma, Betriebsräte in der Gewerkschaft, allesamt wissen wir nur zu gut: Wie leicht uns die Überzeugungen von den Lippen kommen. Was wir richtig und wichtig finden, bringen wir schnell zu Gehör oder aufs Papier. Im Aufstellen von Thesen und Programmen sind wir Weltmeister, wenns konkret wird, oft wie die Anfänger.
Vorsicht ist also geboten. Je mehr Du am Sonntag vollmundig redest, umso mehr wirst Du am Montag daran gemessen.
Nichts gegen den Sonntag, sagt der Prophet Amos, nichts gegen Feiertage und Gottesdienste mit guter Predigt und schönen Liedern! Aber Du kannst nicht am Sonntag singen: Großer Gott wir loben dich und am Montag Deinen Chef belügen, oder Herr, gib uns Deinen Frieden und am Dienstag einen heftigen Streit mit Deinem Nachbarn vom Zaun brechen wegen irgendeiner Lappalie.
Du kannst nicht am Geburtstag Deiner Frau den Super-Ehemann spielen, ihr Blumen schenken und den Tisch decken, und sie das ganze Jahr über wie ein besseres Dienstmädchen behandeln. Du kannst nicht an die Liebe glauben, ohne sie zu leben. Du kannst nicht an Gott glauben, ohne nach seinem Willen zu handeln.
Nichts als Geplärr und hohles Geklimper, wenn wir von Gott reden und nicht handeln, wenn wir von Gerechtigkeit reden, und das Unrecht in der Welt lässt uns kalt. Beten und tun des Gerechten, hat der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als Motto des christlichen Lebens ausgegeben. Wer will ihm widersprechen? Beten und Tun! Glauben und handeln!
Die Zeit der Sonntagsreden sollte endlich vorbei sein. Überall!
Glauben und handeln
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