Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.03.06, 5.56 Uhr, Pfarrer Dietmar Silbersiepe

Glauben und gesund werden

Autor: Wer krank ist, will gesund werden. Zum gesund werden kann der Glaube helfen, manchmal so, dass er Berge versetzt, ja, dass ein Wunder geschieht, wie in der Bibel

erzählt wird: „Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht“, sagt Jesus zu einer chronisch erkrankten Frau, „geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage“.
Das hätte sich Almut aus Düsseldorf auch gerne gewünscht. Von Geburt an leidet sie an einer unheilbaren Stoffwechselerkrankung, vor ein paar Jahren ist der Krebs dazu gekommen.

O-Ton:
Seit ich klein bin, haben meine Eltern mich von Arzt zu Arzt geschickt, weil die nicht wussten, was ich für eine Krankheit hatte. Und man hatte auch meiner Mutter gesagt, dass ich wahrscheinlich keine große Lebenserwartung habe. Aber ich hab als Kind immer so diesen Glauben gehabt, ja wenn Gott will, dass ich weiter lebe, dann wird er mir dieses Leben auch schenken.

Autor:
Mittlerweile ist sie 47 Jahre alt. Oft hat sie mit Gott gehadert.

O-Ton:
Ich hab dann immer so gesagt: wieso bin ich krank und die anderen sind gesund?
Nach meiner ersten Ausbildung hab ich gedacht, das hat einen Sinn, dass du diese Krankheit bekommen hast, denn vielleicht wärst du sonst eingebildet, hochnäsig, oder so, was weiß ich, geworden. So bin ich irgendwie, ja, normal geblieben.
Das war so’ ne Antwort, irgend’ne Antwort hab ich mir gesucht.

Autor:
Und immer auch auf ein Wunder gehofft.

O-Ton:
Ja, ich hab gebetet, dass Gott mich gesund macht, ja.

Autor:
Die Hoffnung ist enttäuscht worden. Aber für ein kleines Wunder ist Almut dankbar. Nach über zwanzig Jahren konnten die Ärzte die Art ihrer seltenen Erkrankung diagnostizieren.

O-Ton:
Da war ich Gott sehr dankbar. Das war für mich’n Wunder, dass die auf einmal herausbekommen haben, was ich für eine Krankheit habe. Vorher haben die mich falsch therapiert, weil die nicht wussten, was ich hatte.

Autor:
Die neuen Behandlungsmöglichkeiten führten zur Besserung. Aber durch die Diagnose wusste Almut auch, dass sie krebsgefährdet ist. Schließlich der Schock: Tumore im Darm. Zwei Operationen, Chemotherapie. Und die Ungewissheit: Wie geht es weiter?

O-Ton:
Es ist natürlich so, wenn man’s dann bekommt, dann ist man natürlich schon sehr traurig da drüber, aber ist Gott auch sehr nahe. Komischerweise im Leid ist man Gott näher als im Alltag. Durch den Alltag wird man oft von Gott entfremdet durch diese Alltagssorgen, man muss einkaufen, die Arbeit beschäftigt einen, und man muss sich immer wieder daran erinnern, das man Gott nicht wegläuft und dass man Gott hat, dem man so dankbar ist dafür, dass man das Leben geschenkt bekommt.

Autor:
Ihre Kraft, mit der Krankheit zu leben, bezieht Almut aus dem Glauben, aus der Bibel.

O-Ton:
Dann werde ich auch oft an Mose in der Wüste erinnert, wo’s Phasen gab, wo ich dachte, es geht nicht weiter, und letztes Jahr hab ich ja nun fast ein ganzes Jahr nicht arbeiten können, und da hab ich mich auch’n bisschen wie in der Wüste gefühlt, aber ich hatte immer noch ein bisschen Wasser zum Trinken, also ich bin nicht vertrocknet. Ich hatte immer noch meine Glaubensreserve.

Autor:
Die Hoffnung, ganz gesund zu werden, hat Almut fast aufgegeben. Wichtig ist ihr das Heilwerden.

O-Ton:
Heil werden heißt eigentlich für mich: mit Gott im Reinen sein, geistlich gesund sein. Und ich denk mal, das bin ich, dass ich diesen Durchblick bekomme, dass ich mich nicht in ’nem Labyrinth befinde, sondern dass Gott mich da raus holt aus diesen ganzen Phasen, und dann fühl ich mich wieder heil im Kopf, heil im Kopf, weiß gar nicht wie ich das beschreiben soll. Ich sag immer so schön. Mein Kopf is wieder klar.

Audiobeitrag Glauben und gesund werden


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