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Glauben und zweifeln II
Wer glaubt, kennt auch den Zweifel.Menschen, die nie zweifeln, sind mir verdächtig. Es soll sie geben: diese Menschen, die scheinbar nichts erschüttern oder anfechten kann.
Vielleicht, weil sie nur an sich selber glauben. Wer an Gott glaubt, kennt auch den Zweifel.
Wie Thomas. Aus der Bibel. Es muss der Zweifel an Gott gewesen sein, der ihn zu Jesus getrieben hatte. Er war einer seiner Vertrauten, seiner Jünger. Mit Jesus schien für sie eine der drängendsten Fragen beantwortet zu sein: Kümmert Gott das Leid und die Ungerechtigkeit in der Welt? Schaut er nur zu, wenn unzählige Menschen durch Krankheiten, Krieg und Katastrophen ums Leben kommen?
Jesus hatte Antworten, er war die Antwort. Davon waren sie überzeugt, Thomas und die anderen : als sie miterlebten, wie Jesus Kranke heilte, wie er sich für die Armen einsetzte und vom Frieden sprach, von einem Friedensreich, in dem kein Platz mehr ist für Hass, Tod und Krieg. Das kannten sie aus ihrer Bibel. Wo von einem Retter die Rede ist, der kommen wird und alles in der Welt zum Guten wendet. Er war jetzt da. Ohne Zweifel. Christ, der Retter ist da. Wie wir an Weihnachten singen. Aber bald ist Karfreitag. Jesus hängt am Kreuz.
Für seine Jünger bricht eine Welt zusammen. Auch für Thomas. Vor allem für Thomas. Er war der Grübler unter ihnen und ein sensibler Mensch, einer, der sich nicht entziehen kann, der mitfühlt, wenn Menschen zu Opfern von Hunger oder Krieg werden.
So wie viele von uns heute, auch in der Kirche, wo wir singen: Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf.
Den schlimmen Lauf zu stoppen mit aller Macht und Stärke, unerbittlich und ein für allemal, dazu war Jesus gekommen, hatten sie gehofft, allen voran Thomas, der sich das Paradies, den Himmel auf Erden schon ausgemalt hatte.
Der Traum war ausgeträumt mit dem sterbenden Jesus am Kreuz. Dann, nach drei Tagen, Ostern und die Kunde: Er lebt, Gott hat ihn wieder zum Leben erweckt. Nicht zu fassen! Un-glaublich! Vor allem für Thomas, der fortan der Zweifler heißt.
Der auferstandene Jesus erscheint ihm, ihm persönlich, dem Zweifler, in einer Begegnung der außergewöhnlichen Art, wie die Bibel erzählt. Komm Thomas, schau mich an, ich bins, ich lebe. Thomas hält die Augen geschlossen, beginnt zu begreifen, zu spüren, zu ahnen: Ja, er war tot und ist lebendig, er hing am Kreuz und jetzt
, jetzt vielleicht doch das neue Paradies, Frieden, Gerechtigkeit für alle, für immer? Mein Herr und mein Gott, sagt Thomas. Da ist sie wieder, in allem Zweifel die Hoffnung, dass Gott sich kümmert, dass ihn das Elend der Welt kümmert und dass er die Macht hat, alles zu verändern.
Noch nicht sagt Jesus. Jetzt noch nicht. Und fügt hinzu: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Selig, glücklich, die Gott nicht sehen, und doch glauben. Die den Himmel noch nicht sehen, aber glauben, dass er kommt. Die das Leid sehen in der Welt und so wenig Aussicht auf Veränderung, und doch glauben, dass eine Zeit kommt, in der Gott alles neu macht.
Im Zweifel für den Glauben! Denn in ihm liegt die Kraft, den Himmel der Erde ein Stück näher zu bringen.
Glauben und zweifeln II
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