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Fasten
Das war mir schon immer ein Rätsel. Morgens trage ich mein Parfüm auf, nicht zu knapp. Aber spätestens, wenn ich in den Bus steige, nehme ich nichts mehr davon wahr.
Jetzt las ich in der Zeitung, warum das so ist.
Der Mensch gewöhnt sich auf die Dauer an einen Geruch, hat Prof. Thomas Hummel aus Dresden herausgefunden. Die Nase reagiert nicht mehr. Und er kennt auch die Ursache. Mein Gehirn unterscheidet Neues von Bekanntem. Das Neue hält es für wichtig, ihm widmet es seine Aufmerksamkeit. Das, was immer da, wird ignoriert.
Prima, denk ich, mein Gehirn fällt einsame Entscheidungen. Ich zahl 30 Euro und mein Gehirn schaltet den Wahrnehmungsstrom ab.
Meine grauen Zellen sind auf Neues fixiert. Das mag in einer Zeit, wo schon mal ein Dinosaurier um die Ecke kommen konnte, und Neues Gefahr bedeutete, sinnvoll gewesen sein. Aber heute?
Alt ist out und alles Neue wichtig, diese Gleichung kann so nicht stimmen. Schließlich ist doch gerade das Wiederkehrende, was meinen Geschmack und Stil ausmacht. Meine Musik, meine Lieblingspizza, meine Klamotten.
Und deshalb werde ich mal wieder was ganz Traditionelles zu machen: Fasten. Schließlich ist ja gerade die Fastenzeit in der Kirche. Fasten das bedeutet für mich: eine Zeitlang auf liebgewonnenes verzichten. Auf mein Parfüm, Fernsehen oder Lakritz , um es dann wieder neu zu entdecken. Und selbst zu prüfen, was mir fehlt und was ich vielleicht gar nicht vermisse.
Und: um auch Altbekanntes wieder so richtig zu genießen.
Sprecherin: Christiane Birgden
Fasten
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