Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.04.06, 6.30-07 Uhr, Thomas Förster

Ein starkes Kind

Im Juli wird Tim neun Jahre alt. Laufen kann er nur wenige Schritte, wenn ihn jemand fest an beiden Händen hält. Diese Schritte hat er sich mühsam erkämpft. Tim ist ein

starkes Kind. Das war schon so als er 1997 im Juli zur Welt kam. Die Ärzte hatten ihn geholt. Viel zu früh. Im sechsten Monat. Tims Mutter hatte bei einer Untersuchung erfahren, dass ihr Kind mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen würde. Das traute sie sich nicht zu.  Sie verlangte die Schwangerschaft abzubrechen. Die Ärzte sind dazu gesetzlich verpflichtet und holten Tim auf die Welt. Da wog er nur etwa ein Fünftel von dem, was ein normales Neugeborenes wiegt. Die Schwestern wickelten ihn in Decken und ließen ihn unversorgt. So sieht es das Gesetz bei Spätabtreibungen vor. Tim sollte sterben. Aber Tim ist stark. Er kämpfte um sein Leben. Nach zehn Stunden halfen ihm auch die Ärzte. Neben dem Down-Syndrom werden noch weitere Behinderungen festgestellt. Folgen des Schwangerschaftsabbruchs.

Mit sechs Monaten kam Tim in eine Pflegefamilie. Hier lebt er bis heute. Es sei ihm manches Mal schlecht gegangen, erzählt seine Pflegemutter, aber Tim habe nie aufgegeben. Seine Kraft sei beeindruckend. Die Ärzte sagen, Tim habe sich ungewöhnlich gut entwickelt.

Für die einen ist Tims Geschichte die Geschichte einer misslungenen Spätabtreibung. Für mich ist sie die Geschichte eines starken Jungen, der zeigt, dass das Leben stärker sein kann als der Tod.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Ein starkes Kind


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen