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Zudecken ist nicht aufräumen
Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer,bei dir sieht es aus wie bei Hämpels unter´m Sofa! Der Tonfall genügte. Bei diesem Unterton wusste ich: Jetzt komme
ich nicht eher weg, bis nichts mehr an diese Hämpels erinnert, die ich übrigens nie kennen gelernt habe. Sie müssen sich jedoch für ihre Vorliebe für Gerümpel in ihrem Haushalt sprichwörtlich eingeprägt haben.
Aufräumaktionen kosten Zeit. Mehr, als mir als Kind lieb war. Aber man muss sich eben zu helfen wissen. Also habe ich mit einigen Handgriffen alle herumliegenden Sachen zusammengepackt. Fertig. Außer einigen verräterischen Beulen unter der Bettdecke sah doch alles ganz gut aus. Mutters Stirn untrüglicher Stimmungsanzeiger würde sich auch glätten bei diesem Anblick. Zu schade, dass sie den Trick durchschaute. Kurz und knapp sagte sie: Zudecken ist nicht Aufräumen.
Warum ich mich Jahre später an diese Geschichte aus meiner Kindheit erinnere? In anderen Lebenssituationen wiederholte sich dieser vergebliche Versuch: Krempel drunter, Decke drüber. Plattklopfen. Glattstreichen. Alles in Ordnung. Wie es darunter aussieht, das lassen nur die sanften Beulen ahnen. Warum nur lässt sich so schwer begreifen, dass durch einfaches Zudecken und Glattstreichen gar nichts in Ordnung ist? Warum lernen wir so wenig aus der Erfahrung, dass dieses Vorgehen nicht nur vergeblich, sondern auch sehr mühsam ist? Wir wissen: Ständiges Versteckenspielen, immer neu darauf achten müssen, dass etwas ja nicht an den Tag kommt, ist eine Strapaze. Eine Lüge glätten zu wollen, kostet viele andere Lügengeschichten und ein Sitzen auf heißen Kohlen, wenn es brenzlig wird. Lange den Mund zu halten über das, was doch endlich raus will, sorgt mitunter für seelische Beulen, die schmerzhaft sind. Die Seele kriegt keine Luft mehr. Wir wissen das.
Es gelingt uns, anderen Menschen für kurze oder längere Zeit unsere glatte Oberfläche zu zeigen. Wie es wirklich in uns aussieht, verschweigen wir.
In der Bibel lese ich: Kein Geschöpf ist vor Gott verborgen, sondern es liegt alles aufgedeckt vor den Augen Gottes ( Hebräer 4, 13a ). Ein Wort, das mir gefällt. Erinnert es mich doch daran, dass ich ehrlich vor Gott sein kann. Ich muss nicht Verstecken spielen. Gott kennt meine Stärken und meine Schwächen und die Beulen. Er ist barmherzig. Das ermutigt mich, an bestimmten Stellen im Leben mit dem Aufräumen zu beginnen. Niemand muss alles auf einmal tun. Das überfordert. Und Gott weiß das und gibt mich trotzdem nicht auf.
Zudecken ist nicht aufräumen
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