Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.03.06, 8.56 Uhr, Birgit Winterhoff

Unser tägliches Brot gib uns heute

Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer,haben Sie schon gefrühstückt? Sind Sie vielleicht noch dabei? Oder hören Sie die Morgenandacht auf nüchternen Magen?

In der sicheren Erwartung: Gleich gibt´s Kaffee?
Mich weckt am Morgen das Mahlwerk meiner Kaffeemaschine. Punkt 6.30 Uhr ist vorprogrammiert. Noch bevor ich überhaupt an die Bitte des Vaterunsers denken kann „Unser tägliches Brot gib uns heute“, läuft schon die Kaffeemaschine. Und sie läuft so selbstverständlich, dass es die Bitte um das tägliche Brot schwer hat, über die Lippen zu kommen. Mit vollem Mund betet es sich schlecht um das tägliche Brot.

„Unser tägliches Brot gib uns heute“, so hat Jesus es uns vorgebetet. Das ist allerdings etwas anderes als mein tägliches Brot. Schon das erste Wort der Bitte macht uns darauf aufmerksam, dass wir sie niemals für uns allein bitten können. Es geht immer um das gemeinsame Brot, das Brot für alle, das „Brot für die Welt“.

„Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Das kleine Wort „unser“ weist weit über unsere Privatsphäre und die Bedürfnisse des einzelnen Menschen hinaus. Es zeigt weltweite Perspektiven auf, stellt uns mitten hinein in die wirtschafts- und ernährungspolitischen Probleme unserer Zeit. Währungs- und Entwicklungspolitik, die Strategie weltweiter Hilfsmaßnahmen – all das kommt in unseren Blick, wenn wir die vierte Bitte des Vaterunsers beten.

„Unser tägliches Brot gib uns heute“, das will uns unruhig machen und in Bewegung setzen.
Die Bitte nimmt uns in Pflicht. Man kann nicht beten und dann die Hände in den Schoß legen. Die Bitte sucht Menschen, die Hand anlegen und in ihrem Einflussbereich sich dafür einsetzen, dass Hungernde gespeist werden und Hilflosen geholfen wird. Und die dabei zugleich wissen, dass sie das Entscheidende nicht von ihnen abhängt.

„Unser tägliches Brot gib uns heute“, das ist keine Bitte der Sicheren, kein Gebet der Satten und der Reichen. Es wird immer ein Gebet der Armen bleiben. Ein Gebet für Menschen, die wissen, dass sie ihr Leben und alle Lebensmittel im Letzten Gott verdanken. Er ist der Geber aller guten Gaben.

Liebe Hörerin, lieber Hörer,
sollten Sie gerade das Frühstück vorbereiten oder am Frühstückstisch sitzen – dann halten Sie einen Moment inne. Lassen Sie Ihren Lebensrhythmus unterbrechen von der Bitte:
„Unser tägliches Brot gib uns heute.“       

Audiobeitrag Unser tägliches Brot gib uns heute


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