Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.03.06, 8.56 Uhr, Birgit Winterhoff

Keiner darf verloren gehen

Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer,mir gefallen Leute, die sich Ziele setzen. Leute, die kreativ und unkompliziert sind und nicht bei den ersten

Schwierigkeiten aufgeben. Leute, die gern Aufgaben anpacken und vor Verantwortung nicht fliehen. Die andere anstecken mit ihren Ideen und nicht dauernd über die schwierigen Verhältnisse klagen. Ich finde, es gibt noch viel zu wenig davon.

Von einem jungen Mann will ich Ihnen erzählen. Er ist Christ, 25 Jahre alt und hat Sozialpädagogik studiert. Er beendet sein Studiums und entschied sich, als Streetworker zu arbeiten, auf der Straße also. Er kümmert sich um Jugendliche, um die sich sonst niemand kümmert. Viele kommen aus ganz normalen bürgerlichen Familien. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum sie gegangen sind oder zu Hause hinausgeworfen wurden:

Schwierigkeiten in der Schule, mangelnde Erziehung, Alkoholismus von Vater oder Mutter, sexueller Missbrauch.
Jedenfalls leben sie jetzt auf der Straße und teilen dieses traurige Los mit anderen, denen es ähnlich ergangen ist.
Der junge Sozialpädagoge setzt sich für sie ein. Er versucht, Kontakt zu ihnen zu bekommen und das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen. Das braucht Zeit, sehr viel Zeit, denn viele sind aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen misstrauisch geworden. Diese Jugendlichen haben keine Lobby, niemand, der sich für sie einsetzt. Ich komme mit dem Sozialpädagogen ins Gespräch, frage ihn, ob er nicht manchmal resigniert angesichts der schwierigen Arbeit. Erstaunt schaut er mich an. Seine Antwort ist klar: Nein. Lamentieren ist nicht sein Ding. Er hat Ideen und Pläne, packt Aufgaben an und ist unkompliziert und freundlich. Er erzählt mir von der Sehnsucht der Jugendlichen nach dem, was zum Leben gehört:

Liebe und Anerkennung zu bekommen und in Frieden und Sicherheit leben zu können.
Sie brauchen jemand, dem sie vertrauen können. Der zuverlässig ist. Der ihnen nicht ständig Vorwürfe macht. Jemand, der ihnen Lust am Leben vermittelt. Sie brauchen Menschen, die Zeit für sie haben. Das Wichtigst ist, dass sie erfahren: Ich bin angenommen mit meinen Stärken und Schwächen, angenommen, so wie ich bin.

Die biblischen Geschichten werden nicht müde zu beschreiben, wie Gott Menschen annimmt. Jeder und jede ist wichtig, wertvoll und einmalig. Jeder und jede geliebtes Geschöpf Gottes.  Keiner darf verloren gehen.
Ein bewundernswerter junger Mann auf den Spuren Jesu Christi, der gesagt hat: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder einer meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“               

Audiobeitrag Keiner darf verloren gehen


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