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Diakonie neu buchstabiert
Autorin: Manche Sachen hören sich harmloser an als sie sind – „Diakonie“ zum Beispiel. Gelebter christlicher Glaube: Hilfe für Alte und Kranke etwa,
Fürsorge für verwaiste Kinder oder Obdachlose. Anstrengend und herausfordernd ist das, aber lebensgefährlich hört es sich nicht gerade an. Bei uns in Deutschland jedenfalls nicht. In Sri Lanka dagegen kann soziales Engagement ziemlich viel Mut erfordern, vor allem dort, wo erst vor drei Jahren der Bürgerkrieg zu Ende gegangen ist:
O-Ton: Ich habe selbst all das Töten, die Entführungen und Menschenrechtsverletzungen in den letzten Kriegsjahren erlebt, als ich im Norden war. Deshalb helfen wir unter anderem auch den Kriegswitwen - sehr junge Frauen, die sehr verletzlich sind, - damit sie für sich und ihre Kinder sorgen können. Es geht um Gerechtigkeit, Freiheit und Würde! Das ist ein ganz besonderer Aspekt der Diakonie.
Autorin: Arulnathan Nadarajah, Pfarrer der kleinen Methodistischen Kirche von Sri Lanka, hat ein gewinnendes Lächeln, so unvergänglich wie der Sonnenschein auf der Tropeninsel. Obwohl sein Leben immer spannungsreich war: als Christ unter Buddhisten, Hindus und Muslimen, und als Tamile unter Singhalesen, die mit eiserner Hand in Sri Lanka regieren. Fast 30 Jahre lang haben die Tamilen im Norden und Osten um ihre Unabhängigkeit gegen die Regierungstruppen gekämpft, ein Bürgerkrieg mit mehr als 100.000 Toten – bis heute eine offene Wunde:
O-Ton: „War has ended, but that does not mean that there is peace in the country.“
Autorin: „Der Krieg ist zu Ende, aber das heißt nicht, dass wir Frieden haben“, sagt Pfarrer Nadarajah. Denn viele Menschen sind traumatisiert, sie haben Familienmitglieder sterben sehen, Häuser und Felder sind zerbombt oder verbrannt. Und noch immer verbreitet das siegreiche Militär Angst und Schrecken. Deshalb hat Diakonie für den 38-jährigen Theologen auch mit sozialer Gerechtigkeit zu tun.“
O-Ton: Darauf muss die Kirche reagieren. Natürlich müssen wir den Menschen zu essen geben, wenn sie hungrig sind, aber wir müssen auch fragen: Was sind die Ursachen für ihren Hunger?
Autorin: Im biblischen Spruch für den Monat August heißt es: „Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“ Für Menschen wie Nadarajah ist dieser Vers aus Psalm 147 Anspruch und Zuspruch zugleich: Ein Leben in Frieden und innere Heilung sind in den Augen Gottes genauso wichtig, wie etwas zu essen. Dafür hat der methodistische Pfarrer sein Leben auf’s Spiel gesetzt:
O-Ton: Im April 2005 wurde mein Pfarrhaus nachts angegriffen. Paramilitärs haben eine Bombe ins Haus geworfen, weil ich viel mit dem Wiederaufbau nach dem Tsunami zu tun hatte, das mochten einige Leute nicht, und ich habe an der Ostküste Versöhnungsarbeit zwischen Hindus und Muslimen gemacht. Zum Glück waren meine Frau und ich nicht zu Hause, aber alles andere ist verbrannt, wir haben alles verloren.
Autorin: Ein andermal hat jemand eine Handgranate auf Pfarrer Nadarajah geworfen. Ein Anschlag, den er nur dank seines Motorradhelms überlebte. Und wieder machte er weiter - um Herzen und Wunden zu verbinden. Zurzeit absolviert er in Bielefeld-Bethel einen neuen internationalen Studiengang „Diakoniemanagement“ – das Thema für seine Magisterarbeit nächstes Jahr steht schon fest:
O-Ton: Wir haben die Gelegenheit die Liebe Gottes zu zeigen, das ist auch der Titel meiner Arbeit: „Liebe mit Gerechtigkeit“, denn Liebe ohne Gerechtigkeit ist nicht diakonisch. So verstehe ich die Aufgabe unserer Kirche.
Weitere Informationen: www.diakoniewissenschaft-idm.de
Diakonie neu buchstabiert
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