Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.08.12; Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann

Das gerettete Fest

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Es war im Sommer 1990. Als Pastor in einer Kirchengemeinde im Bergischen Land war ich für die Organisation eines Gemeindefestes

verantwortlich und machte mich gemeinsam mit anderen an die Arbeit. Es sollte ein besonderes Fest werden, denn zum ersten Mal konnten wir viele Gäste aus unseren Partnergemeinden in der ehemaligen DDR einladen. Wir planten einen bunten Abend mit Festreden, Liedern und Theaterstücken. Wir sammelten Ideen für einen Familiengottesdienst. Und natürlich überlegten wir auch, was wir den Gästen zu essen anbieten würden.

Das Fest begann. Viele Gäste waren aus Brandenburg angereist. Endlich konnten sie ihre Partnergemeinde im Westen Deutschlands besuchen und sehen, wie sie lebt. Wir waren gute Gastgeber. Jedenfalls bis kurz vor dem Ende des Gemeindefestes…

Nach dem Abschlussgottesdienst versammelten sich noch etwa 300 Männer, Frauen und Kinder im Gemeindehaus und der angrenzenden Grundschule. Vor der Abreise wollten  Gäste und Gastgeber noch einmal zusammen zu essen. Eine Suppe sollte es geben, es musste ja jetzt schnell gehen. Doch die Suppe, die aus einer Großküche kommen sollte, ließ auf sich warten…

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch einigermaßen ruhig. Wahrscheinlich müssen wir selbst zur Großküche fahren, dachte ich mir, und setzte mich mit einem Freund ins Auto. Dort angekommen, bekamen wir jedoch eine Auskunft, die es uns schwarz vor Augen werden ließ: „Eine Suppe für ein Gemeindefest? Davon wissen wir nichts.“ Wir hatten es zwar geplant, aber vergessen, zu bestellen. Mir wurden die Knie weich…

Auf dem Rückweg zum Gemeindehaus überlegten wir fieberhaft, wie wir diese vielen Menschen satt bekommen sollten. Pizzeria? Schnellimbiss? Das würde viel zu lange dauern! Selbst schnell etwas kochen? Wir hatten ja gar nichts eingekauft! Es half also nichts: Wir mussten unseren Gästen reinen Wein einschenken und waren davon überzeugt: Unser rauschendes Fest wird ein beschämendes Ende finden. Und tatsächlich: Als wir unser Versäumnis bekannt gaben, erhoben sich etliche Gemeindeglieder und verließen den Saal. Das war’s dann wohl…

Aber dann geschah etwas, was ich mir nicht hatte vorstellen können: Die Leute kamen nach kurzer Zeit zurück. Einige brachten Kuchen, andere Brot und Aufschnitt. Manche hatten schnell einen Salat  angerichtet und eine alte Dame überreichte uns einen kleinen Topf mit Gulasch. Unter großem Hallo aßen wir und tranken - und es wurden tatsächlich alle satt.

Während des Essens standen auf einmal zwei Kinder aus unserem Kindergarten vor mir und sagten: „Herr Dutzmann, wir möchten was singen.“ „So? Welches Lied denn?“ „Eins aus dem Kindergarten: ‚Fünf Brote und zwei Fische.’“ Ich musste laut loslachen. Diese beiden Kinder hatten ja so recht: Fünf Brote und zwei Fische! Das Lied erzählt eine Geschichte aus der Bibel nach. Die Geschichte von der Speisung der fünftausend. Nur fünf Brote und zwei Fische waren vorhanden, und dann heißt es:

SprecherIn: „Und Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah auf zum Himmel, dankte und brach’s und gab die Brote den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. Und sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, zwölf Körbe voll…“
(Mk 6, Mt 14, Lk 9)

Im Sommer 1990 erlebte eine ganze Gemeinde mit ihren Gästen, dass solche Geschichten sich auch heute noch ereignen.

Und dass Sie, liebe Hörerin, lieber Hörer heute satt werden an Leib und Seele wünscht Ihnen Ihr Martin Dutzmann, Landessuperintendent aus Detmold.

Audiobeitrag Das gerettete Fest


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