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Trau dir was zu
Wenn mein Leben nur anders wäre. Wenn ich andere Eltern gehabt hätte, wenn mein Auto ein dicker Mercedes und kein Opel Corsa wäre, wenn mein Partner, meine Freundin,
mein Kind doch nur ein bisschen anders wären als sie es sind. Wenn die Situation günstiger wäre.
Dann würde ich endlich anfangen, mein Leben zu gestalten. Dann könnte und würde ich alles anders machen. Dann würde mein Leben besser, dann könnte ich handeln, dann wäre ich glücklich.
Solche „Wenn-Dann-Konstruktionen“ kennt wohl jeder und jede. Ebenso wie die Menschen zurzeit Jesu. Jesus erzählt davon in dem Gleichnis von den anvertrauten Gütern (Matthäus 25,14ff). Es ist die Geschichte eines Herrn, der weggeht. Vor seiner Abreise übergibt er seinen Knechten unterschiedliche Mengen Silber. Der erste erhält fünf Zentner Silber, der zweite zwei und der dritte einen. Ohne mit ihnen zu sprechen und ohne ihnen einen exakten Auftrag zu erteilen, was mit dem Silber geschehen soll, verlässt der Herr die Knechte. Die ersten beiden Knechte ziehen los und fangen sofort an, mit dem Silber zu handeln. Der dritte Knecht rennt weg und vergräbt seinen einen Zentner in der Erde. Als der Herr nach einiger Zeit wiederkommt, verlangt er Rechenschaft von den Knechten über das von ihm Anvertraute. Die beiden ersten Knechte legen ihren Gewinn vor. Sie haben ihren Einsatz jeweils verdoppelt. Der Herr belohnt sie übermäßig. Der dritte Knecht gibt dem Herrn seinen Zentner Silber zurück und sagt: „Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät hast, und du sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg das Silber in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.“ Dieser dritte Knecht verliert alles.
Liebe Hörerin, lieber Hörer, ich finde, die Geschichte von den anvertrauten Gütern, ist eine dieser Wenn-Dann-Geschichten. Wenn der dritte Knecht gewusst hätte, dass man so reich belohnt wird, falls man sein Silber vermehrt, dann hätte er das bestimmt auch gemacht. Wenn er sicher gewusst hätte, was passiert, dann hätte er sich anders verhalten. Ja, wenn er mehr bekommen hätte, wenn der Herr ihm gesagt hätte, was zu tun ist, wenn er gewusst hätte, dass es so endet, dann hätte er alles anders gemacht.
Die Geschichte von den anvertrauten Gütern bringt den Zustand des Menschen auf der Welt auf den Punkt. Ich finde mich als Mensch in einer Situation vor, die ich mir nicht selbst gewählt habe. Ich bin entweder klein oder groß, habe nette oder blöde Eltern, bin reich oder arm, bin musikalisch oder athletisch oder beides oder weder noch. Und kein Mensch kann uns abschließend sagen, wozu genau wir nun eigentlich bestimmt sind. So wie die Knechte ohne Angabe von Gründen eine bestimmte Menge Silber erhalten, bekommen wir unser eigenes Leben.
Doch um die ungerechte Geldverteilung geht es in der Geschichte von den anvertrauten Gütern nicht in erster Linie. Sondern es geht um das Zutrauen des Herrn in jeden seiner Knechte. Denn: Schon ein Zentner Silber ist ja in der damaligen Zeit eine riesige Menge Geld. Gott hat jedem Menschen mit seinem jeweiligen Leben ohne genaue Anweisung einen großen Wert anvertraut, mit dem er machen kann, was er will. Aber erst wenn ich darauf vertraue, dass jedes Leben an sich bereits einen Wert hat, dann kann ich mehren, was da ist. Es ist meine Aufgabe herauszufinden, was da ist, was ich kann, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Und dann habe ich die Möglichkeit, daraus das Beste zu machen. Denn: Gott vertraut darauf, dass ich mir was zutraue. Trauen Sie sich also heute ruhig etwas zu!
Ihre Judith Uhrmeister aus Düsseldorf.
Trau dir was zu
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