Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.07.12; Stefanie Schardien

Bis dann mal

Gestern kam ich zur Pausenzeit an einem Schulhof vorbei. Ein Mädchen schrie einem anderen zu: „Du bist nicht mehr meine Freundin!“

Die andere schrie betont cool: „Will ich auch sowieso nicht mehr sein!“ Und dann rannten sie los, um möglichst weit weg voneinander zu spielen.

Ganz schön hart, dachte ich. Aber wenigstens ehrlicher als wir Erwachsene. Denn wir können zwar super Freundschaften schließen, nur den Weg zurück, den kennen wir nicht so recht. Was macht man mit Menschen, mit denen man eigentlich nicht mehr befreundet sein möchte?

Ich habe mich einmal aus einer Freundschaft weggestohlen. „Bis dann mal“, hab ich gesagt, obwohl ich kein „Dann mal“ mehr wollte. Nichts Dramatisches war vorgefallen, so dass ich die Freundschaft theatralisch hätte aufkündigen können. Wir hatten uns nur gar nicht so viel wie anfangs gedacht zu sagen. Fand ich. Die andere fand das schon, rief also immer mal wieder an, um sich zu verabreden. Also hatte ich immer schon etwas vor oder ich ließ den Anrufbeantworter anspringen, wenn ich die Nummer im Display sah. Zur Wahrheit war ich zu feige. Verletzen wollte ich die andere auch nicht. Ich war ihr ja nicht böse. Nur Zeit verbringen wollte ich mit ihr halt nicht mehr.

Zum „Entfreunden“ fehlen uns irgendwie die Worte. Die haben wir offensichtlich verlernt seit unserer Zeit auf dem Schulhof.

Sprecherin:  Alexa Christ

Audiobeitrag Bis dann mal


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