Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.07.12; Judith Uhrmeister

Wie genau sieht eigentlich der Heilige Geist aus?

Es ist Montagmorgen kurz vor der ersten Schulstunde. Ich sitze auf den großen Treppenstufen vor dem Schuleingang.

Bis eine fröhliche Kinderstimme von der Seite an mein Ohr dringt: „Du, wie genau sieht eigentlich der Heilige Geist aus?“ Noch ein bisschen verschlafen drehe ich meinen Kopf zur Seite und schaue in die wachen, interessierten Augen von Lotta, eine zehnjährige Schülerin, die ich unterrichte.

Ich könnte zum Thema „Heiliger Geist“ natürlich die Meinung Martin Luthers darlegen oder ihr diverse Bibelstellen aufzählen, schießt es mir durch den Kopf. Aber sie sieht nicht aus, als würde sie das auch nur im Geringsten interessieren. Angesichts der Tatsache, dass ich beim besten Willen nicht genau sagen kann, wie der Heilige Geist aussieht, halte ich inne. Ich frage sie: „Wie stellst du dir denn den Heiligen Geist vor?“ Sie sagt: „Weiß ich nicht. Ich weiß, dass der Heilige Geist eigentlich unsichtbar ist, so wie ein Geist eben. Aber ich frage mich halt trotzdem, ob er nicht manchmal doch zu sehen ist?“

„Wie bist du denn auf diese Frage gekommen?“ frage ich Lotta. Sie antwortet: „Pfingsten kommt ja der Heilige Geist wie Feuer vom Himmel und setzt sich auf die Köpfe der Jünger von Jesus. Und die sind dann so voll von Feuer, dass plötzlich alle Leute auch aus fremden Ländern verstehen können, was die Jünger von Jesus erzählen. Aber du hast ja im Unterricht gesagt, dass der Heilige Geist unsichtbar ist. Und da hab ich mich eben gefragt, ob man den wirklich nicht sehen kann.“
„Warst du schon mal von etwas so richtig begeistert?“, frage ich.

Sie überlegt und sagt dann: „Ja, von einer Geschichte von Pippi Langstrumpf. Da hat Pippi sich einfach das Wort Spunk ausgedacht und dann mit ihren Freunden Tommi und Annika versucht, herauszufinden, was ein Spunk eigentlich ist.

Mein Bruder und ich fanden die Geschichte so toll, dass wir uns das ganze Wochenende Wörter ausgedacht haben, die wir dann im ganzen Haus gesucht haben.“

„Das heißt, ihr fandet die Idee so gut, dass ihr sie gleich nachmachen wolltet?“, frage ich nach. „Genau!“ sagt Lotta. „Würdest du sagen, dass man eine Idee sehen kann?“, fahre ich fort. „Nee, die kann man doch nicht sehen!“, erwidert sie. „Aber man kann was draus machen“, sage ich. „Ja, genau“, sagt Lotta. „Wir haben viele spannende Wörter gefunden.“ Dann grinst sie mich an und meint: „Du, könnte man vielleicht sagen, man sieht den Heiligen Geist, wenn zwei Leute über ihn reden, so wie wir?“ Ich nicke und sie fährt fort: „Und kann man dann vielleicht auch sagen, wenn man über den Heiligen Geist spricht, so wie wir, sieht der Heilige Geist aus wie wir?“

Die Schulglocke klingelt, Lotta steht auf, nimmt ihren Schulranzen und sagt: „Tschüss!“ Und schwupps ist der Moment vorbei. Ich sehe ihr hinterher und der Montagmorgen nimmt seinen Lauf.

Liebe Hörerin, lieber Hörer, ich gebe die Frage von Lotta an Sie weiter und ermuntere Sie, sich und andere danach zu fragen: Woran erkenne ich den Heiligen Geist?
Unsichtbar ist er, aber wenn man genau hinschaut, kann man sehen, wie er durch Menschen in den unterschiedlichsten Situationen wirkt und ihn ihnen sichtbar wird.

Ihre Judith Uhrmeister aus Düsseldorf.

Audiobeitrag Wie genau sieht eigentlich der Heilige Geist aus?


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