Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.07.12; Pfarrer Dietmar Silbersiepe

Sommer ist, was in deinem Kopf passiert

Autor: Da sind wir also, in der schönsten Zeit des Jahres:

Musik: Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert, Sommer ist, was in deinem Kopf passiert, es ist Sommer, ich hab das klar gemacht, Sommer ist, wenn man trotzdem lacht.

Autor: Die Wise Guys haben das Lied im verregneten Sommer 2001 geschrieben. Aber was ist schon der Ärger über ein paar Regentage im August gegen das, was sonst in unserem Kopf passieren kann: Du denkst, du hoffst, jetzt muss Sommer sein, nicht nur draußen, auch drinnen - in dir. Und dann bekommst du sie nicht raus aus deinem Kopf, die dunklen, die trüben Gedanken, die so gar nicht zum sommerlichen Ambiente passen.

Sprecherin: Der Sommer deprimiert mehr als der Winter, der Krankenstand von Arbeitnehmern, die wegen Depressionen zu Hause bleiben, ist im Sommer höher als in der dunklen Jahreszeit.

Autor: schreibt die Ärztezeitung. Das klingt überraschend und plausibel zugleich.

Sprecherin: Wer sich ohnehin schlecht fühlt, wird in diesem Gefühl umso mehr bestärkt, je besser es den Menschen im Umfeld geht.

Autor: Je mehr und je fröhlicher sich die Sonnenanbeter in den Freibädern und den Parks tummeln, umso mehr ziehen sich die Traurigen zurück in ihr Schneckenhaus.
Draußen Sonne, im Kopf dunkle Wolken. Was dagegen tun? Der gute alte Martin Luther, auf den wir Protestanten ja ne Menge geben und der zeitweise selber bis zur Depression von Sorgen zerrieben war, hat gesagt:

Sprecherin: Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.

Autor: Und wie? Am besten, wie Martin Luther, sich etwas von der Gelassenheit abschauen, die Jesus auf seine Weise gepredigt und gelebt hat:

Sprecherin: Macht euch keine Sorgen um euer Leben. Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte – aber euer Vater im Himmel sorgt für sie.

Autor: Von Tag zu Tag denken und darauf vertrauen: Ja, mein Leben ist geborgen in Gott. Und wenn die trüben Gedanken sich doch wieder einschleichen und nicht weichen wollen? Martin Luther rät:

Sprecherin: „Auf traurige Gedanken gehören freundliche Gespräche und ein gutes, fröhliches Lied.

Autor: Was also wünschen wir uns für den Sommer 2012? Menschen an unserer Seite, die Zeit für ein Gespräch haben, die’s gut und freundlich mit uns meinen, die sich darauf verstehen, uns rauszuholen aus dem Schneckenhaus, wenn’s nötig ist.
Und ab und zu ein fröhliches Lied, wie das hier:

Musik: Und die Sonne geht an in meinen Kopf. Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert, Sommer ist, was in deinem Kopf passiert, es ist Sommer, ich hab das klar gemacht, Sommer ist, wenn man trotzdem lacht.

Sprecher: Pfarrer Matthias Köhler


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