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Die Unterhaltung im Mutterleib (dein Reich komme)
Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter. „Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?” fragt der eine Zwilling.
„Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das, was draußen kommen wird”, antwortet der andere Zwilling. „Das ist doch Blödsinn”, meint der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben, wie soll das denn bitteschön aussehen?” „So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller sein als hier. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen.” - „So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört. Mit dem Mund essen? Was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du denn herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur doch viel zu kurz.” „Doch, es wird bestimmt gehen, es ist eben dann alles nur ein bisschen anders.” „Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen von nach der Geburt. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Punktum.” „Ich gebe ja zu, dass keiner richtig weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und dass sie für uns sorgen wird.” „Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter! Wo ist sie denn?” „Na, hier - überall um uns herum. Wir leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!” „Quatsch, von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also kann es sie auch nicht geben.” „Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt...” (Sinngemäß zitiert nach Henri J. M. Nouwen, Die Gabe der Vollendung. Mit dem Sterben leben, Freiburg: Herder 1994, S. 36-37)
Diese kleine Geschichte nach Henri Nouwen verdeutlicht eine tiefe Wahrheit: Unsere menschliche Perspektive ist begrenzt. Wir sind Gefangene unserer Sinne, unserer Wahrnehmung, unseres Wissens. So ist das halt. Wir sind Geschöpfe. Nicht allmächtig. Großartig und begabt - aber halt: begrenzt. Doch selbst mit einem begrenzten Horizont entdecken Menschen großartige Dinge, bekommen eine Ahnung, dass da noch mehr ist, als sie mit dem Verstand erfassen können. Manche Physiker reden von nicht sichtbaren Parallel-Universen, kaum ein Mensch kann sich das vorstellen, aber es scheint so etwas zu geben…
Für Christen ist diese Idee nicht so neu. Sie reden vom Reich Gottes. Übrigens war das der Hauptaspekt der Reden Jesu. „Mit mir ist das Reich Gottes gekommen - es ist sogar mitten unter euch, sogar in euch, wenn ihr mir vertraut“, sagt er. „Es wird nun wachsen, es wird durch euch weiter getragen, es entsteht überall, wo mein Wille geschieht, Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung zwischen Mensch und Mensch und Mensch und Gott.“ Jedes Gebet ist also letztlich eine Bitte darum, dass etwas mehr von diesem Reich Gottes sichtbar wird. Dass der Traum Gottes von dieser Welt, der so ganz anders ist als unsere Träume, erlebbar wird. In Familien, Firmen, Städten, mitten im Alltag. Das klingt wie ein Geheimnis - und es ist eins.
Jesus bittet in dem Gebet, das er seinen Nachfolgern überliefert hat als erstes: Vater Unser. Dein Reich komme, dein Wille geschehe. In der sichtbaren und in der unsichtbaren Welt … da soll dein Friedensreich Raum gewinnen. Manchmal, wenn das Reich Gottes dann ins Sichtbare drängt - dann staunen wir. Plötzlich wird Heilung, Versöhnung oder Friede möglich. Dann reden wir von kleinen Wundern, von Geschenken des Himmels, dann schauen wir wie durch ein Schlüsselloch in diese unsichtbare Dimension. Es gibt sie. Wir beten in sie hinein. Ein Geheimnis des Glaubens, das mich still macht. Staunen lässt: Sie ist da. Diese Welt jenseits des Mutterleibes… meint Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.
Die Unterhaltung im Mutterleib (dein Reich komme)
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