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Maria und Martha und ich
Autorin: Vor ein paar Wochen war ich krank. Entzündung der oberen Atemwege, sagte die Ärztin. „Gut“, dachte ich, „eine Woche inhalieren, Hustentee trinken und viel schlafen,
dann wird das wieder.“ Falsch gedacht. Aus einer Woche wurden vier! Hustentee, viel Schlaf – sogar ein Antibiotikum – nichts half! Die Krankheit ließ mich nicht los. Und immer wenn ich dachte, jetzt muss es doch wieder gehen, ging gar nichts mehr – schüttelte mich der Husten nur noch schlimmer. Irgendwann hörte ich auf, dienstliche Emails zu beantworten, irgendwann ließ ich den Laptop einfach zugeklappt – irgendwann ergab ich mich meinem Schicksal - dem Kranksein. Nach und nach kam ich zur Ruhe, mein Körper entspannte und ich tat nichts. Und als ich nun Ingwertee trinkend vor mich hin hustete, musste ich an Martha denken. Keine Ahnung warum. An diese Geschichte, in der Jesus und seine Leute bei ihr übernachtet haben. Und die ganze Arbeit an Martha hängen blieb…
Sprecherin: …so viele Menschen, die Hunger und Durst hatten und einen Platz zum Schlafen brauchten. All das musste ja organisiert werden. Maria, meine Schwester, setzte sich sofort zu Jesu Füßen, so wie eine Schülerin, neben ihrem Lehrer sitzt. Eine Weile habe ich mir das angesehen und mich allein um alles gekümmert, aber irgendwann reichte es mir: „Sag mal, siehst du nicht, wie viel noch zu tun ist“?, fragte ich Jesus. „Ist es dir egal, dass meine Schwester mich alle Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen“.
Autorin: Verständlich, dass sich Martha irgendwie ungerecht behandelt gefühlt hat. Und was Jesus noch dazu gesagt hat, war schon krass!
Sprecherin: „Martha, ich sehe, dass du viel Arbeit hast. Du hast so viel, woran du denkst und worum du dich kümmerst- das ist auch notwendig. Maria hat sich für das entschieden, was für sie gut ist, niemand kann ihr das mehr nehmen!“
Autorin: Ich war in den letzten Wochen zu oft Martha gewesen. Ich habe immer alles organisiert und geregelt. Aber mein Husten hat mich dann gezwungen, plötzlich Maria zu sein. Mich einfach hinzusetzen, alle Arbeit liegen zu lassen und einfach nur zu sein. Der Satz von Jesus beschäftigt mich immer noch. „Maria hat sich für das entschieden, was gut für sie ist.“ Leicht gesagt. „Tun, was gut für eine ist“. Aber leicht getan ist es eben nicht. Und was ist schon gut für eine? Es braucht Zeit, dahinter zu kommen. Und Zeit hatte ich ja genug, dank meiner Krankheit. Gedichte schreiben, das tut mir gut. Und in den letzten Wochen schrieben sich viele Worte wie von selbst auf das Papier.
Sprecherin: Spüre dein Wollen. Überprüfe dein Sollen. Umarme die Freiheit!
Autorin: Das könnte doch ganz gut ein Rat von Maria an ihre rastlos arbeitende Schwester sein. Oder eben auch an mich.
Maria und Martha und ich
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