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Gottes Wort braucht keine Dome
„Das Wort Gottes braucht keine Dome“, liebe Hörerin, lieber Hörer. Gott spricht uns an, wie er will, wann er will und wo er will.
Ganz gewöhnliche Orte können zu einem „Haus Gottes“ werden, wenn Gott gerade dort mit Menschen spricht. Da, wo Menschen aufatmen, wo sie frei werden, wo sie spüren: Der Himmel steht mir offen. Auch da kann man sagen: Hier ist das „Haus Gottes“, hier ist er anwesend. Jakob hat das erlebt. Er ist auf der Flucht vor der Rache seines Bruders. Als er müde ist, sucht er eine Stelle, um zu schlafen. Er nimmt einen Stein, legt ihn vor seinen Kopf und schläft ein. Im Traum sieht er eine Leiter, die bis zum Himmel reicht. Engel steigen an ihr herauf und herunter. Als Jakob aufwacht, sagt er:
Sprecherin: „Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.“ (1. Mose 28,17)
Es ist diese „Himmels-Erfahrung“, die dem Ort seinen Namen gibt: „Bethel“, das bedeutet „Haus Gottes“. Weil Jakob hier die Gegenwart Gottes spürt, ist es für ihn ein heiliger Ort. Deshalb hinterlässt er ein Zeichen, damit auch andere erkennen: „Hier ist die Pforte des Himmels“. Um dieses Zeichen zu setzen, reicht Jakob ein ganz geringer architektonischer Aufwand: Er richtet den Stein, der an seinem Kopf lag, auf und gießt Öl über ihn. Kein Tempel, kein Dom, kein großes und prächtiges Gotteshaus. Und doch: Haus Gottes, heilige Stätte. Entscheidend ist: Nicht menschliche Baukunst stellt sicher, dass Gott an dieser Stelle wohnt. Das ist mit keiner menschlichen Aktivität möglich. Das Umgekehrte gilt: Die von Menschen erfahrene Gegenwart Gottes heiligt den Ort. Auf das Handeln Gottes kommt es an. Die Bibel kann aber noch ganz anders von Tempeln, Domen und Gotteshäusern reden. Im 1. Timotheusbrief lese ich:
Sprecherin: „Das Haus Gottes, das ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit.“ (1. Timotheus 3,15)
Dass Gott da ist, dass er nah ist, das kann ich in der Gemeinde, in der lebendigten Gemeinschaft von Menschen spüren, die an ihn glauben. Deshalb heißt die Gemeinde in der Bibel auch „das Haus der lebendigen Steine“. Der Ort der Gegenwart Gottes lässt sich nicht auf ein totes Gebäude beschränken. Vielmehr will Gottes Gegenwart alle Dimensionen des menschlichen Lebens umfassen und durchdringen. Das zeigt uns der Blick auf das Leben Jesu: geboren, verfolgt schon als Säugling, geflüchtet, im Dialog gewesen und im Streit gelegen, machtvolle Taten ausgeführt und ohnmächtig gelitten, Freundschaft erfahren und Verrat, gefoltert und umgebracht, auferstanden – an Jesu Leben kann ich ablesen: An allen Tagen und bei allem, was geschieht, ist Gottes Gegenwart erfahrbar. Jeder Ort kann Menschen so zu einem heiligen Ort werden. Davon sollen Christen und Christinnen als „lebendige Steine“ ein Zeugnis geben.
„Das Wort Gottes braucht keine Dome …“- mit diesem Satz begann Präses Peter Beier seine Predigt zur Eröffnung des Berliner Domes. Und natürlich hatte er Recht. Aber Ärger hatte dieser Satz auch ausgelöst bei allen, denen gute Architektur wichtig ist. Denn auch die Steine von Gebäuden können sprechen – wenn auch anders als Menschen es tun. Dome und Gotteshäuser sind auch mir wichtig. Vielfach aus ästhetischen Gründen. Vor allem aber, weil sie Menschen dazu einladen, sich neu dem Wort Gottes zu öffnen. Denn darauf kommt es an. Wenn Menschen ihr Fühlen und Denken für Gottes Gegenwart auf der Erde öffnen, dann bauen sie Gottes Haus. An allen Orten und Tagen.
Mögen Sie Gottes Gegenwart an diesem Tag erfahren, wann, wie und wo auch immer. Das wünscht Ihnen Ihr Präses Nikolaus Schneider aus Düsseldorf.
Gottes Wort braucht keine Dome
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