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Frohe Erwartungen
Manchmal kann ich es kaum erwarten: Dass meine Enkel zu Besuch kommen, dass ein lieber Freund gesund wird, dass ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung geht.
Solche Erwartungen beflügeln unser Leben, liebe Hörerin, lieber Hörer. Zumindest dann, wenn sie uns wunderbare Ereignisse vor Augen stellen. So ging es dem Propheten Sacharja.
Sprecherin: „Wir wollen mit euch gehen, denn wir hören, dass Gott mit euch ist.“ (Sacharja 8,23)
Was meint Sacharja damit? Die Situation ist folgende: Israel liegt am Boden - militärisch geschlagen, Gefangenschaft und Ausbeutung so eben überlebt, in elender Gegenwart mit bescheidenen Zukunftsaussichten. Augenscheinlich von seinem Gott verlassen. Grund und Anlass auch für andere Völker, sich gegen Israel zu wenden. Der Prophet Sacharja aber sieht weiter. In einer Vision sieht er das Volk Israel in einer besonderen Rolle: Es ist das zukünftige Heil für alle Völker. In Sacharjas Vision sieht das so aus: Zehn Leute aus fremden Völkern – auch aus den Siegermächten - werden einen Israeliten beim Rockzipfel fassen, um in ganz enger Gemeinschaft mit ihm gehen zu können. Weil sie gehört haben: Gott ist mit Israel.
Eine Erwartung, die ein gedemütigtes Volk beflügeln kann. Aber der Prophet nennt auch die unabdingbaren Voraussetzungen: So kann es nur kommen, wenn Israel seinem Gott vertraut. Aus diesem Vertrauen wachsen Recht und Gerechtigkeit. Dann gibt es keine Korruption mehr, keinen Egoismus. Stattdessen Rücksicht auf die weniger Leistungsfähigen, Respekt vor den kleinen Leuten. Barmherzigkeit mit denen, die Fehler machen. Aus diesem Vertrauen auf Gott fällt es leicht, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu fördern und so zusammenleben, dass alle gut leben können. Mit einer menschlichen Gemeinschaft, die sich aus diesem Vertrauen speist, will Gott sich identifizieren lassen. Nur am Leben einer solchen Gesellschaft können andere Menschen erkennen und glauben: „Gott ist mit euch!“ Christinnen und Christen sagen und bekennen: Es ist der Jude Jesus von Nazareth, an dessen Gewandzipfel alle Menschen aus allen anderen Völkern fassen, um an ihn gebunden ihren Lebensweg zu gehen. Weil sie erkannt haben und weil sie glauben: „Gott ist mit ihm“.
Ja, noch mehr: „Gott ist in ihm“. Und so wie der Prophet Sacharja dem Volk Israel, so beschreibt einige Jahrhunderte später der Schreiber des 1. Petrusbriefes den ersten Christinnen und Christen, wie ein Leben im Vertrauen auf Gott sichtbare Spuren hinterlässt:
Sprecherin: „Euer Leben mitten unter den Menschen, die Gott nicht kennen, muss einwandfrei sein. Wenn sie euch alles mögliche Böse nachsagen, sollen sie eure guten Taten sehen und von ihren eigenen Augen eines Besseren belehrt werden.“ (1. Petrus 2,12)
Der 1. Petrusbrief entstand in einer Zeit, in der der christliche Glaube der heidnischen Gesellschaft suspekt war. Christ oder Christin zu sein konnte im Extremfall das Leben kosten. Das Bekenntnis zum christlichen Glauben war der Karriere hinderlich, führte zu Diskriminierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung. So wie es heute noch Tausenden von Christinnen und Christen weltweit geht. Deshalb die strenge Ermahnung. Sie war damals übrigens äußerst wirksam. Gerade das vorbildliche Leben in den Gemeinden führte dazu, dass sich viele Menschen für den christlichen Glauben interessierten oder ihn sogar annahmen.
Die biblischen Anfragen an den Lebensalltag von Menschen bleiben aktuell. Denn jeder Mensch gibt mit seinem Lebensstil Auskunft darüber, was sein Leben trägt. Und eine Bitte habe ich noch: denken Sie heute auch an alle Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Ihr Präses Nikolaus Schneider aus Düsseldorf.
Frohe Erwartungen
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