Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.05.12; Pfarrer Eko Alberts

"Nicht durch Macht..."

Liebe Hörerin, lieber Hörer, mein reisefreudiger Nachbar ist ein paar Tage am Mittelmeer gewesen, genauer: in Israel. Eine Gruppenreise zum Bilden und Erholen.

Natürlich war er in Jerusalem. Davon kann er viel erzählen, aber auch vom Mittelmeerstrand bei Tel Aviv, von antiken Orten und der Wüste Negev. Von Ehrfurcht und Geschäftemacherei an den biblischen Erinnerungsstätten und von der angespannt-unruhigen Stimmung inmitten der Konfliktlage des Nahen Ostens.

Dabei blieb mir eine Sache besonders im Gedächtnis. Wohl weil es auf Pfingsten zuging. Was der Reisebericht meines Nachbarn mit Pfingsten zu tun hat? Ganz einfach: Er hat mir von einer Skulptur erzählt, die vor der Knesset, also vor dem Parlamentsgebäude in Jesusalem steht. Ich kenne sie. Das heißt, ich habe mal eine Dokumentation dazu gesehen. Ich erinnere mich: Die Skulptur ist ungefähr fünf Meter hoch und stellt einen siebenarmigen Leuchter dar, eine Menora, wie es auf Hebräisch heißt. Ein uraltes Symbol in Israel. Aber dieser Leuchter ist erst Anfang der 50-er Jahre entstanden.

Einige Jahre nach der Neugründung des Staates Israel. Auf der Mittelsäule des Leuchters und auf seinen sieben Armen wird die Geschichte des Volkes dargestellt. Von Mose bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts. Was das mit Pfingsten zu tun hat? Ich hatte es vergessen, aber mein Nachbar erzählte es mir: Als die Reiseleiterin die große Skulptur erklärte, erzählte er, wies sie uns besonders auf die Inschrift im unteren Teil der Leuchterarme hin. Die konnte natürlich keiner aus der Reisegruppe entziffern, die ist Hebräisch. Aber sie soll ein Prophetenwort sein und bedeutet etwa: "Nicht durch Macht, nicht durch Kraft, allein durch meinen Geist - so spricht der Herr".

Als mein Nachbar das erzählt, ist meine Erinnerung wieder da. Ja, das steht da und das ist auch das biblische Motto für das Pfingstfest. Wieso das? Weil es Pfingsten doch um den Geist geht. Gottes Geist. Pfingsten erzählt davon, dass Gott Menschen seinen Geist geben will und gibt. Der hat die Jünger Jesu überwältigt. Da konnten sie von Gottes Tun reden und alle haben es verstanden, ganz egal woher sie kamen und welche Muttersprache sie hatten. Und da war nichts von bewaffneter Macht und Gewalt in der Luft. Gottes Geist ruft zum Frieden und zum Verständnis. Er baut Gemeinschaft auf und führt zur Versöhnung.

Der Künstler dieser Skulptur in Jerusalem stammt aus Deutschland, aus Dortmund. Er heißt Benno Elkan. Weil er Jude war, wurde ihm das Arbeiten in Deutschland 1935 verboten. Er landete in England. Sein siebenarmiger Leuchter ist ein Geschenk des englischen Parlamentes an das israelische. Und die vielen Abbildungen darauf zeigen auch etwas von der Wahrheit des Spruches: Wie die Gewalt immer wieder scheitert, aber der Geist, das Verstehen und Versöhnen gewinnen. „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ (Sach 4,6)

Das steht da nun vor der Machtzentrale dieses umkämpften und kämpfenden Landes im Nahen Osten. Dort, wo Kriegsrhetorik und wahnsinnige Friedenssehnsucht so hart aufeinander prallen. Ein Pfingstruf. Hoffentlich wird er gehört! Ja, und eigentlich, denke ich, sollte es ein entsprechendes Denkmal vor jedem Parlament, vor jeder Regierungs- und Machtzentrale auf dieser Welt geben. Und Regierende und Parlamente müssten verpflichtet werden, sich dort mindestens jede Woche einmal zur Ordnung des Friedens und der Versöhnung rufen zu lassen und dem Vertrauen auf Heer und Gewalt abschwören. Aber vielleicht ist das schon wieder zu viel Zwang.

Ein Pfingstfest, beseelt von gutem Geist, wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Eko Alberts aus Bonn.

Audiobeitrag "Nicht durch Macht..."


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