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Der Tresor wird geöffnet
Liebe Hörerin, lieber Hörer, natürlich ist nicht alle Tage Sonnenschein, nicht draußen in der Natur und auch nicht drinnen, im Herzen.
Aber wer jetzt helle, sonnige Tage genießen kann, soll es mit Freuden tun! Wenn ich mich mit meinem Nachbarn darüber unterhalte, sind wir uns bald einig: Am besten ist es, sich einen kleinen Licht-Vorrat zu sammeln, einen Schatz an guten Erfahrungen, an leuchtenden Erinnerungen. Das ist bestimmt wertvoller als so manche Aktie. Und dann überlegen wir, ob wir in dieser Hinsicht aufmerksam genug sind und genug investieren. Man muss darüber ja nicht Buch führen, aber dann und wann zu bemerken, was den Tag hell gemacht hat, ist schon sinnvoll. Das macht zufriedener. Und dankbar. Dankbarkeit ist der Schlüssel für den Tresor, in dem wir alles aufheben, was wir an Gutem erfahren haben und woran wir uns gerne erinnern. Na ja, ganz so philosophisch wird es in unseren kleinen Gesprächen nicht immer. Manchmal genügt ein kleiner Regenschauer, um dem ein Ende zu setzen. Macht nichts.
Aber wenn ein richtiges Unwetter uns aus allen Schön-Wetter-Träumen reißt, sieht es schon anders aus. So erging es meinem Nachbarn vor einiger Zeit. Als ich ihn traf, merkte ich schon auf Abstand seine Anspannung. Er hatte einen Anruf von seinem Schwager bekommen. Dessen Frau, also die Schwester meines Nachbarn, war plötzlich ins Krankenhaus eingeliefert worden. Direkt von der Arbeit. Sie hatte einen Kollaps gehabt. Offenbar aus heiterem Himmel. Genaues wusste keiner. Mein Nachbar fuhr sofort hin. Im Krankenhaus, erzählt er später, wird die Unruhe dann erst richtig groß. Da wird untersucht und untersucht. Meine Schwester ist immer nur kurz ansprechbar, Fieberschübe quälen sie. Sie kann nicht liegen, kann nicht sitzen oder gar stehen. Immer wieder wälzt sie sich hin und her, stöhnt Unverständliches und jammert: „O, mein Gott!“ Schrecklich, das mit ansehen müssen und eigentlich nichts tun können. Mein Nachbar ist bedrückt als er das erzählt. Da wird der Himmel duster, auch im Wonnemonat Mai. Nur noch mit-fiebern, ohnmächtig wünschen, hoffen, da wird die Welt ganz klein.
Doch dann, erzählt er weiter, gab´s eine Wandlung: Die Unruhe legt sich, der Atem noch mühsam, aber regelmäßiger. Das Hin- und- herwälzen hat ein Ende. Was war mit der Schwester geschehen? Wer hatte sie so berührt? War es die Vertrauen erweckende Stimme des Oberarztes? War es die Krankenhausseelsorgerin mit ihrem Gebet und den wohltuenden Gesten? Es ist, als wäre auf einmal ein wenig Licht in dieses Krankenzimmer geflossen. Offensichtlich gibt es manchmal einen Tresor, in dem nicht nur die Mai-Sonnenstrahlen und -Farben aufgehoben sind. Da sind Erinnerungen an andere Krankheitszeiten und wie es Hilfe gab. Da ist so etwas wie Trost drin und Vertrauen. Und wenn diese Tür geöffnet wird, kehrt ein Stück Geborgenheit ein. Als die Schwester wieder mehr reden konnte, hat sie gemeint: „O, mein Gott! hab ich immer gejammert.
Irgendwann hab ich das selber gemerkt und gedacht: Was machst Du da eigentlich? Du rufst nach Gott. Das hab ich ja, wer weiß wie lange, nicht mehr gemacht. Aber jetzt lass ich mich darauf ein. Was kann mir passieren? Ich lass mich fallen. Und dann soll Gott sehen, was mit mir wird.“
Der Bericht meines Nachbarn hat mich tief beeindruckt. Ich hab mich von Herzen mit ihm gefreut, als er erzählte, dass es der Schwester besser geht. Und als ich heute in meinem Kalender den Spruch für diese Woche entdecke, denke ich: Das ist wirklich etwas aus dem Tresor für die guten Erinnerungen und Erfahrungen. Da steht nämlich: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Ps 66,20)
Einen Tresor voller Sonnenstrahlen wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Eko Alberts aus Bonn.
Der Tresor wird geöffnet
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