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Ich! und Mein! und das Herz
Liebe Hörerin, lieber Hörer, „Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“ Er war nicht der Hellste gewesen in der Schule, aber jetzt trumpft er auf: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“
„Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“ Sie kennen die Werbung mit dieser gemachten Fröhlichkeit bestimmt noch. Oder die andere: „Unterm Strich zähl ich!“ Und dazu eine Plakatserie, die das Ich ohne Rücksicht auf die Rechtschreibung immer wieder hervorhebt: „Reichlich, riesich, günstich“. Mein, mein! Ich, ich! Das passt in unsere Welt.
Etwas vorzeigen, sein Ich füttern. Mir ist das nicht fremd. Doch manchmal werde ich aufgeschreckt. Wenn ich zum Beispiel von einem vorbildlich selbstlosen Menschen lese. Oder wenn ich daran denke, einmal die Bilanz meines Lebens zu ziehen. In der Bibel sagt einer: „Ich weiß, mein Gott, dass du das Herz prüfst, und Aufrichtigkeit ist dir angenehm.“ (1 Chr 29,17)
König David in Israel sagt es, als sein Leben zu Ende geht. Da muss, da will er sich nichts mehr vormachen. Da muss er auch nichts mehr aus sich machen und sich in Positur setzen. Er kennt seinen Gott und der kennt ihn. Gott kann man nicht blenden. Mein, mein, Ich, ich, ich – ach, vor ihm wird das nichtssagend. Unbedeutend vor Gott, wie ich mich auch aufplustern will.
Vielleicht kann ich alten Schulfreunden damit imponieren, vor den Nachbarn besser, vermögender, cleverer erscheinen. Aber wer bin ich wirklich? Wer weiß das? „Ich weiß, mein Gott, dass du das Herz prüfst…“ Er tut es bei jedem Menschen, auch bei mir – und wenn ich König wäre, der Boss, der Star, die Klügste. Das Herz, also das Innerste meiner Beweggründe, meiner Empfindungen, meiner Absichten und meines Wissens durchschaut er. „Ich weiß, mein Gott, dass du das Herz prüfst“, die Werkstatt meines Lebens.
Um was geht es dabei? Worauf zielt diese Prüfung? Um Aufrichtigkeit. Was ist das? Es geht nicht um Sündlosigkeit. Nicht um viele gute Taten, um bei Gott gut angeschrieben zu sein. Aufrichtig sein ist viel schwieriger. Finde ich zumindest. Mir fällt das nicht immer leicht. Denn es bedeutet: sein Leben zu öffnen; das, worauf es ankommt, nicht im Safe zu verstecken. Zugang zur Werkstatt des eigenen Lebens geben.
König David hat das mühsam gelernt. Ein Prophet hat ihm nach Mord und Ehebruch Nachhilfe gegeben, damit er sich selber entlarvt. „Ich habe gesündigt“ bekennt der König dann. Jetzt geht sein Leben zu Ende. Was soll, was kann er noch tun? Er versucht, den Weg für seinen Sohn und Nachfolger zu ebnen. Und er bereitet den Bau eines Gotteshauses vor. Ein Tempel wird entstehen, Haus der Begegnung mit Gott, Ort der Gemeinschaft und der Gebete. David hat sein Volk, aber nicht weniger sich selbst, aufgerufen, dafür zu spenden, sich zu lösen von dem „Mein, mein!“ und „Ich, ich!“ Nicht raffen, sondern teilen, nicht sammeln, sondern schenken. Und das nicht gezwungen, sondern freiwillig.
Viel Gold, Silber und Edelsteine werden gestiftet. Das klingt gut, nicht wahr? Wie wär´s mit kleinen Anfängen: Keine Trickserei um der kläglichen Belastung durch die Kirchensteuer zu entgehen, nicht das kleinste Klimpergeld für die Spende. Nicht andere übervorteilen, aber gerecht wirtschaften. Und dabei wissen: Gott sieht das Herz an. Die biblische Geschichte erzählt, die Menschen seien fröhlich über ihr Teilen geworden und der König hocherfreut. Warum sollte es uns eigentlich nicht gelingen, zumindest dann und wann das Ich und das Mein fröhlich kleiner zu schreiben und uns von Herzen und aufrichtig für die gemeinsame Verantwortung in der Gesellschaft einzusetzen?
Ein fröhliches Herz wünscht Ihnen heute Pfarrer Eko Alberts aus Bonn.
Ich! und Mein! und das Herz
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